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Henri Marteau

Klarinettenquintett, Streichquartett Nr. 2 (Vol. 3)

Andreas Schablas, Praetorius Quartett, Marteau Quartett

Solo Musica/Sony SM282
(59 Min., 7/2016, 10/2017)

Es ist wieder Entdeckerzeit für Kammermusikfreunde. Neu im Programm findet sich da die bereits dritte Folge einer Henri-Marteau-Reihe mit zwei Werken aus seinem 45 Opus-Zahlen umfassenden Œuvre, dem Klarinettenquartett und dem 2. Streichquartett. Marteau wurde 1874 in Reims geboren, 1934 ist er im oberfränkischen Lichtenberg gestorben, wo sein Wohnhaus heute als Gedenk- und musikalische Begegnungsstätte glänzt. Leicht hatte es der Deutsch-Franzose unter den damaligen politischen Umständen nicht. Er wirkte vornehmlich als Geiger, aber eben auch als Komponist und kümmerte sich um eine einheitliche Regelung des Urheberrechtes. 1908 übernahm er an der Berliner Hochschule als Professor die Joseph-Joachim-Nachfolge. Bekannt mit den großen Komponisten seiner Zeit dies- und jenseits des Rheins, konnte er sich in seiner mal impressionistisch schillernden, dann wieder kontrapunktstrengen Musik keine wirklich eigene Stimme erobern. Auch auf der aktuellen CD, feinsauber gespielt vom Praetorius Quartett und dem Klarinettisten Andreas Schablas sowie dem Marteau Quartett, ist das nicht anders. Da findet sich Jahrhundertwende-Plüsch, die sensitive Vorahnung der noch tonalen zweiten Wiener Schule und ein wenig Jugendstil-Tonblütenranken. Da glimmt gerade das Quartett von 1905 weh und welk, dann wieder aufmüpfig und fröhlich, aber wenig eigenständig, individuell. Langsame Linien spinnen sich, von Pizzicato-Tupfern durchwirkt. Das stärkere, erst 1921 veröffentlichte Klarinettenwerk verdankt seine Entstehung wieder einmal dem Blasgenius Richard Mühlfeldts, der schon Brahms inspirierte. So wurde immerhin eine nicht gerade tiefe Repertoire-Lücke mit Fin-de-Siècle-Tongirlanden mattgolden erhellt.

Matthias Siehler, 06.10.2018



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