Responsive image
Franz von Suppé

Münchner Rundfunkorchester, Ivan Repušic ́

BR Klassik/Naxos 900326

(59 Min., 5/2018)

Diese CD macht Freude und gute Laune. Weil sich hier mal ein Dirigent gegen den Trend stellt, die Mission seines Klangkörpers erfüllt und zudem das dargebotene Repertoire idiomatisch richtig erfühlt. Das ist fast wie ein Sechser im Lotto. Man muss nämlich lange suchen nach einer solchen Deluxe-Neuaufnahme mit den spritzigen, intelligenten, längst nicht nur den Kurorchestern vorbehaltenen Ouvertüren des 1819 im dalmatischen Split geborenen Francesco Ezechiele Ermenegildo Cavaliere Suppè-Demelli, den die Klassikwelt nur als Franz von Suppé kennt. Und der als Wiener Pionier einer neuen musiktheatralischen Unterhaltung auch mit seinen kompletten Werken, allen voran der hier nicht enthaltenen „Fatinitza“, immer noch auf die frechen Operetten-Archäologen wartet.
Beim in dieser Musik bestens bewanderten Münchner Rundfunkorchester ist Suppé durchaus Chefsache, und der seit einem Jahr dort wirkende, ebenfalls in Kroatien geborene Ivan Repušic ́tischt seinen Suppé dirigentisch vorzüglich auf. Da tanzen die Rubati in der Offenbach-beschwingten Einleitung zur „Schönen Galathée“, und im „Dichter und Bauer“-Vorspiel intoniert das Solocello völlig ölfrei die berühmte, freilich durch Freddy Brecks „Rote Rosen“-Schlager berüchtigt gewordene Melodie. Repušic ́ bedient hier mit acht sattsam bekannten Titeln gustiös den Kanon, all die berühmten Ouvertüren der unbekannten Werke sind dabei, wie „Leichte Kavallerie“, „Banditenstreiche“, Pique Dame“, „Ein Morgen, ein Mittag, ein Abend in Wien“, aber auch Suppés ewige Hits wie „Boccaccio“. Im Rhythmischen wie im Melodischen stimmt das, Repušic setzt nicht nur auf Knalleffekt und Gimmick, sucht Farben und gestaltet schön schwingende Legato-Bögen. So geht Operettenkultur.

Matthias Siehler, 13.10.2018



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Der Himmel hinter Mauern: Es mag ungewöhnlich aus heutiger Sicht erscheinen, dass eine Ordensschwester Arbeiten nachgeht, die sich nicht unmittelbar aus ihrem Dienst am Kloster ergeben zu scheinen, aber tatsächlich waren Klöster bis kurz vor der Reformation bereits blühende Orte der Konversation, der Kultur und der Künste. Chiara Margarita Cozzolani, eine im Mailänder Raum des 17. Jahrhunderts in eine wohlhabende Familie hineingeborene Frau, legte mit 18 Jahren ihr Gelübde bei den […] mehr »


Top