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Hermann Goetz, Johannes Brahms

Klavierkonzerte

Andrea Kauten, Savaria Symphony Orchestra, Ádám Medvecki

Solo Musica/Sony SM 284
(91 Min., 6/2017) 2 CDs

Nur wenig bekannt ist heute der 1840 in Königsberg geborene Komponist Hermann Goetz – allenfalls seine Oper „Der Widerspenstigen Zähmung“ hat u. a. mittels mehrerer CD-Einspielungen eine gewisse Verbreitung erreicht. Freilich ist sein Werk auch relativ schmal geblieben, denn der langjährig Lungenkranke starb schon 1876 in der Schweiz. Mit Johannes Brahms verband ihn eine kontroverse, von Missverständnissen geprägte Beziehung. Erlebt man die Musik der beiden Meister so direkt nebeneinander wie auf den vorliegenden CDs, dann mag man zu der Vermutung gelangen, sie hätten sich womöglich auch ton-sprachlich nicht allzu viel zu sagen gehabt: Brahms evoziert selbst in seinem ersten Klavierkonzert schon das Klangbild einer wuchtigen, bisweilen trotzigen Nachromantik, Goetz dagegen bewegt sich eher auf Spuren einer klassizistisch unterfütterten Romantik à la Mendelssohn Bartholdy. Das heißt allerdings nicht, dass sein zweites Klavierkonzert nicht hörenswert wäre, ganz im Gegenteil: Es handelt sich dabei um ein ausgesprochen reizvolles und meisterlich gefertigtes Paradestück, das schon zu Lebzeiten des Komponisten seine Wirkung nicht verfehlt hat und dies auch bis heute nicht tut.
Die ungarisch-schweizerische Pianistin Andrea Kauten präsentiert sich als Anwältin des Goetzschen Klavierkonzerts von ihrer besten Seite: Sie verfügt sowohl über die Virtuosität wie auch über die gestalterische Inspiriertheit, dieses Werk sehr attraktiv in Szene zu setzen. Im Falle von Brahms‘ d-Moll-Konzert dagegen verblasst ihre für sich genommen gute Leistung dagegen vor der Fülle brillanter Interpretationen aus Jahrzehnten, die im CD-Regal immer ihren großen Schatten auf Kautens Darbietung werfen würde. Ich habe daher beschlossen, dieses Doppelalbum bei „Goetz“ einzuordnen, direkt neben „Der Widerspenstigen Zähmung“.

Michael Wersin, 20.10.2018



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