Da macht das Rezensieren wirklich Freude: Mit dem Gesang der französisch-dänischen Sopranistin Elsa Dreisig, geboren 1991 und ausgebildet u.a. am Pariser Conservatoire, öffnet sich augenblicklich ein Fenster in eine goldene Zeit französischen Operngesangs. An einzigartige Sängerinnen wie Martha Angelici oder Géori Boué erinnert Dreisig mit ihrem jugendfrischen, fein vibrierenden und bei aller immanenten Energie doch immer leicht auf einem günstigen Formanten dahinfließenden Gesang. Bemerkenswert ist zudem ihr Zugriff auf das Brustregister, und wohltuend wirkt sich bei aller Durchschlagskraft und Helligkeit des Timbres die Rundung und Wärme ihrer Stimme aus: In diesem Punkt hebt sie sich positiv von manchen historischen Vorgängerinnen im französischen Repertoire ab, deren vordringliches Metall für heutige Ohren ein wenig zu grell klingt.
Dreisig debütiert mit einem ambitionierten Programm, das von Gounods „Juwelenarie“ bis zur finalen Szene der Salomé von Strauss reicht und dabei auch weniger bekanntes Repertoire wie Daniel Steibelts „Roméo et Juliette“ streift. Das Konzept des Programms hat Dreisig selbst erdacht, „Miroir(s)“ bezieht sich auf die inhaltlich spiegelbildliche Anlage je zweier Arien. Ein wunderbares Programm, eine wunderbare Sängerin.

Michael Wersin, 20.10.2018



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