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Gerald Finzi

Cello Concerto, Eclogue, New Years Music, Grand Fantasia and Toccata

Paul Watkins, Louis Lortie, BBC Symphony Orchestra, Sir Andrew Davis

(70 Min., 2/2018) SACD

Nachdem die genuin englischen Komponisten nach dem Tod von Henry Purcell im Jahre 1695 das Szepter weitgehend an Gäste aus dem Ausland – bald darauf z. B. an Georg Friedrich Händel – weitergegeben hatten, begann ein wirklich englisches Komponieren erst wieder in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ein eigenwilliger Vorgang, aber er hat u. a. zu einer wunderbaren Spätest-Blüte der Spätromantik in England geführt. Es scheint fast, als habe man noch etwas nachzuholen gehabt. Verbunden wurde die ungehemmt tonale Schaffensweise gern mit einem speziellen Tonfall, in dem melodisch wie harmonisch englisches Volksliedgut anklingt. Gerald Finzi (1901-1956) gehört nicht nur mit seinen Kunstliedern, sondern auch mit seinen Instrumentalwerken in den Bereich dieser speziellen „englischen Schule“. Sein Cello-Konzert, das er 1955 unter dem Eindruck seiner tödlichen Erkrankung am Hodgkin-Lymphom fertiggestellt hat, ist einfach ein wunderschönes, besonders im langsamen Satz zutiefst melancholisches Werk; Solopart und Orchestersatz zeugen von Finzis beachtlichem handwerklichen Können. Der Cellist Paul Watkins widmet sich dem Stück auf der vorliegenden CD tonschön und sehr agil – er entlockt dem Solopart höchst engagiert seine rhetorischen, erzählerischen Qualitäten und macht das kaum bekannte Stück auf diese Weise zu einem Erlebnis, das partiell wahrhaft unter die Haut geht.
Mit faszinierender Entspanntheit und Nonchalance geht Louis Lortie den ausgesprochen dankbaren Solopart der „Eclogue“ op. 10 für Klavier und Streicher an. Das überaus reizvolle Stück hat eine lange Kompositionsgeschichte, die von den 20er Jahren bis zu einer Revision im Jahre 1952 reicht. Dennoch wurde es erst 1957 posthum uraufgeführt. Es sollte ursprünglich wohl der Mittelsatz eines Klavierkonzerts werden, zu dem auch die ebenfalls auf dieser CD enthaltenen „Grand Fantasia and Toccata“ gehören sollten. Das Konzert erblickte als Ganzes nie das Licht der Welt, aber seine Einzelteile blieben glücklicherweise erhalten.

Michael Wersin, 27.10.2018



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