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N° 1253
14. - 20.05.2022

nächste Aktualisierung
am 21.05.2022



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Sergei Rachmaninow

Klavierkonzerte Nr. 2 & 4, Transkription Bach-Partita BVW 1006

Daniil Trifonov, Philadelphia Orchestra, Yannick Nézet-Séguin

DG/Universal 483 5335
(70 Min., 10/2015, 4/2018)

Wenn schon kein Kitsch im Konzertsaal, dann doch wenigstens vor der Kameralinse. So könnte man Verpackung und Inhalt der neuesten Rachmaninow-Aufnahme vom russischen Pianisten Daniil Trifonov zusammenfassen. Der erste Teil der auf zwei CDs angelegten Gesamtaufnahme der Klavierkonzerte von Rachmaninow ist nicht nur mit „Departure“ betitelt. Trifonov hat sich in historischer Bahnhofskulisse wohl in Rachmaninow einfühlen wollen, der sich einst vom alten Russland in die Neue Welt aufgemacht hatte. Und dabei guckt der Pianist derart dauersehnsuchtsvoll und zugleich von Abschiedsschmerz geplagt, dass man das Schlimmste für die Musik befürchtet.
Aber zum Glück hat sich der bekennende Rach-Fan weder vom Aufnahme-Ort noch dem Orchester zu klangnostalgischen Gefühlsausbrüchen verleiten lassen. Immerhin hatte Rachmaninow das 4. Klavierkonzert in Philadelphia uraufgeführt und zudem mit dem örtlichen Spitzenorchester alle vier Klavierkonzerte für die Schallplatte eingespielt.
Damals stand der Langzeitchefdirigent Eugene Ormandy am Pult seines Philadelphia Orchestra. Seit 2012 wird es von Yannick Nézet-Séguin geleitet, mit dem Trifonov bereits vor drei Jahren mit Rachmaninows „Paganini-Rhapsodie“ den Grundstein für eine kleine Aufnahmeserie gelegt hatte. Das 4. Klavierkonzert hat man jetzt mit dem noch in Moskau uraufgeführten, wesentlich populäreren Zweiten kombiniert. Und als Scharnier zwischen beiden fungieren drei zu einer kleinen Suite gebündelte Sätze aus Bachs bekannter E-Dur-Violin-Partita, die Rachmaninow für Klavier eingerichtet hat. So leicht und luftig, fernab jeglicher romantischer Virtuosenattitüde Trifonov das Tänzerische dieser kleinen Barockdelikatessen genießt, so verzichtet er bei den beiden Klavierkonzerten gleichermaßen auf pludriges Pathos, hollywoodeskes Kintop-Säuseln und billigen Effekt. Vielmehr gelingt es ihm, die Eindringlichkeit, den Drive und überhaupt die Innenspannungen dieser Werke mit einer Mischung aus intellektueller Distanz und emotionaler Anteilnahme zu vermitteln. Dafür setzt er auf klare Phrasierung und auf eine enorme dynamische Palette. Zugleich scheut er sich nicht vor dem zupackenden Fortissimo-Wettstreit mit dem Orchester, das von Yannick Nézet-Séguin wie ein Luxusschlitten durch diese teils verlockend süffigen Klangwelten umsichtig navigiert wird. Mag die Verpackung dieser Aufnahme mehr als retro sein – der Inhalt dagegen ist modern.

Guido Fischer, 27.10.2018



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