Responsive image
Georg Friedrich Händel

Concerti grossi op. 6 Nr. 1 - 4, Concerto grosso "Das Alexanderfest"

Orchestra of the Age of Enlightenment, Nicholas McGegan

Virgin Veritas/EMI 5 45348 2

Eine Musik wie die von Händels Concerti grossi op. 3 und op. 6 läuft längst unter dem Signum “Gemeinplatz”: Jede Floskel, jede sequenzartige Weiterführung, jede melodische Wendung dieser Musik ist nicht nur innerhalb der Klassik geläufig, sondern wird auch in pseudoklassischem Umfeld à la “Rondo Veneziano” vermarktet. Um so wichtiger ist es, die eigenständige Grammatik, den echten Tonfall dieser Musik zu erhalten. Dieser wiederum muss sich in einer detaillierten Artikulation der Sätze niederschlagen; die spannungsreichen Kontraste zwischen Solistenensemble und Orchester, wie sie für die Gattung des Concerto grosso typisch sind, müssen das Geschehen dramatisch vorantreiben und zu erkennbaren Höhepunkten führen.
Leider gibt es kaum Einspielungen, bei denen diese Wünsche erfüllt werden, und auch diese Aufnahme gehört trotz präziser Orchesterkultur und großer Virtuosität der Solisten nicht dazu. Nicholas McGegan verlässt sich viel zu sehr auf den dahinschnurrenden Automatismus von Händels melodischen Reihungen, und daran ändern auch gelegentliche Ritardandi, Fermaten und Kadenzeinschübe nichts. Kontraste entstehen bei ihm fast nur im echohaft-pauschalen Wechsel von Solisten und Ensemble. Die kleinräumige Artikulation bleibt fast immer auf der Strecke, und auch die farbig besetzte Generalbassgruppe (zwei Orgeln, Theorbe, Harfe und Cembalo) hält sich so sehr zurück, dass man sie kaum bemerkt.

Oliver Buslau, 31.03.1999



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Darm mit Charme: Auf dem Buchmarkt hat unser Verdauungstrakt schon vor einigen Jahren seine marketingverbauschte Renaissance gefeiert. Stimmt es, dass dieses hochkonzentriert von Nerven durchsetzte Organ in der Evolution die Leistungen des später ausgebauten Gehirns mit der Intelligenz des Gefühls vereinte? In der Alten Musik ist der Darm bereits völlig ekelfrei in aller Munde: als Darmsaite. Dazu wird nach der Schlachtung von meist Schafen und Lämmern der Darm gewendet, von Schleimhaut und […] mehr »


Top