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William Corbett, José Carlos de Seixas, Domenico Scarlatti, Charles Avison, Luigi Boccherini

„À Portuguesa“ (Iberische Konzerte und Sonaten)

Andreas Staier, Orquestra Barroca Casa da Música

harmonia mundi HMM902337
(65 Min., 2/2018)

Dass die iberische Halbinsel im Laufe der Musikgeschichte ein dunkler Fleck gewesen sei, kann man nun wirklich nicht behaupten. Während in der Renaissance etwa Cristóbal de Morales und Tomás Luis de Victoria zu den ungekrönten Häuptern im europäischen Chor-Adel gehörten, sorgten noch mehr als drei Jahrhunderte später spanische Komponisten wie Isaac Albéniz und Manuel de Falla für Aufsehen auch bei ihren französischen Kollegen Debussy und Ravel. Doch wie klangen Portugal und Spanien eigentlich im 17. und 18. Jahrhundert? Auf diese musikalische Spurensuche hat sich jetzt der Alte Musik-Spezialist Andreas Staier als Cembalist und diesmal auch als Dirigent des originalklangbewegten Orquestra Barroca Casa da Música gemacht. Und mit „À Portuguesa“ ist ein Programm herausgekommen, das bestens vertraute Bekannte und Werke mit so manchen Überraschungen kombiniert. Fulminanter Höhepunkt ist natürlich Luigi Boccherinis Nachtmusik „Musica notturna delle strade di Madrid”, die hier zum Glück nicht etwa in der ursprünglichen Quintett-Fassung erklingt. Vielmehr offeriert Staier mit dem Streichorchester ein Fest voller Farben und bisweilen ungehobelter Rhythmen – und damit zugleich die aktuell mitreißendste Einspielung dieses Evergreens!
Neben dem italienischen Wahl-Spanier Boccherini darf gleichermaßen der in Lissabon und dann in Sevilla wirkende Domencio Scarlatti mit seinen Cembalo-Sonaten nicht fehlen; drei schwungvolle Originale bietet Staier an. Vier Sonaten hatte dagegen der Engländer Charles Avison 1744 in bester Corelli-Tradition zu einem Concerto grosso arrangiert und damit ebenfalls den immensen Einfluss der italienischen Musik unterstrichen, die einst ganz Europa vom Norden bis runter in den Süden überflutete. Italienische Kantabilität durchzieht aber auch jenes Concerto von Avisons Landsmann William Corbett, der sein dreisätziges Werk merkwürdigerweise mit „alla Portugesa“ überschrieben hat. Bei den zwei Cembalo-Konzerten des 1742 bereits im Alter von 38 Jahren verstorbenen Portugiesen José Carlos de Seixas kommen hingegen in der Solo-Stimme immer wieder Effekte und Spielfiguren zu ihrem Recht, die ihre iberische Herkunft eindeutig verraten. Und auch wenn diese beiden Konzerte von ihrem Grundgehalt her eher Leichtgewichte sind, versprühen sie doch eine ähnlich gute Laune wie insgesamt das Spiel von Andreas Staier & Co.

Guido Fischer, 10.11.2018



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