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Claude Debussy

„Harmonie du soir“ (Mélodies)

Sophie Karthäuser, Stéphane Degout, Eugene Asti, Alain Planès

harmonia mundi HMM902306.07
(125 Min., 11/2017 & 1/2018) 2 CDs

Vierzig Lieder und vier Klavierstücke von Claude Debussy finden sich in dieser Doppelbox, und all diese Stücke vermitteln einen umfassenden Eindruck von der tiefen Verwurzelung der Musik Debussys im Poetischen. Faszinierend ist das breite Spektrum der Harmonik und Satztechnik, das Debussy bei der Vertonung zeitgenössischer Lyrik zur Anwendung brachte: Manche der „mélodies“ klingen wie später Fauré, andere wiederum sind eindrückliche Beispiele für die Anwendung der Mixturtechnik, die auch aus der Klaviermusik bekannt ist. Wieder andere spiegeln Debussys Experimentierlust mit fremden, exotischen Skalen und deren Folgen für die Akkordstrukturen wider. Mühsam ist es, dass das Beiheft die Zuordnung der einzelnen Gesänge zu Schaffensphasen und Jahreszahlen nicht leicht macht: Zwar ist der Einführungstext kompetent, aber er bespricht die Werke nicht in chronologischer Folge. Und im Tracklisting fehlen die Daten. Überhaupt fordert ein bloß bilingual französisch-englisch ausgestattetes Beiheft den deutschen Hörern, die sicher kein unbedeutendes Segment des Publikums sind, eine beachtliche Kompetenz in zumindest einer der beiden Fremdsprachen ab, vor allem wenn es um ein tiefergehendes Verständnis der den „mélodies“ zugrundliegenden Gedichte geht.
Erfreulicher ist die interpretatorische Qualität: Zwei Duos – Sophie Karthäuser mit Eugene Asti, Stéphane Degout mit Alain Planès – haben die Lieder auf hohem Niveau eingespielt. Vor allem Sophie Karthäuser begeistert durch die Makellosigkeit ihrer fast vibratofreien Linienführung besonders im unteren dynamischen Bereich. Dass ihr bei dynamischen Ausbrüchen gelegentlich dann doch der ein oder andere Ton etwas ins Flattern gerät, ist vor dem Hintergrund der genannten Qualitäten verzeihlich. Stéphane Degout wartet mit viriler Kernigkeit bei sehr offener Stimmführung auf, was besonders in der tiefen und mittleren Lage angenehm ist. Wo es weiter hinaufgeht, fordert die Offenheit gelegentlich ihren Tribut in Form eines leicht grellen Klangs. Unübertrefflich ist die Leistung beider Begleiter, die ihre Qualitäten darüber hinaus auch in einigen wenigen Solo-Nummern nicht weniger eindrucksvoll unter Beweis zu stellen vermögen.

Michael Wersin, 17.11.2018



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