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Hans Weisse

Kammermusik mit Klarinette

Berolina Ensemble

MDG/Naxos MDG9482078
(71 Min., 11/2017, 1/2018) SACD

Ein aus der Zeit Gefallener. So sehr verlorengegangen, dass sich nicht einmal mehr „Die Musik in Geschichte und Gegenwart“ als führendes deutschsprachiges Lexikon sich seiner erinnert. Und googlen kann man ihn schon gar nicht. Hans Weisse – noch dazu ein Allerweltsname! – geboren 1892 in Wien, gestorben 1940 in den USA, wohin er 1931 emigriert war. Weisses Vater war Direktor des Deutschen Theaters Wien, er studierte bei zwei bedeutenden, ausgesprochen konservativen, die Tradition des Tonalen hochhaltenden Musiktheoretikern, Heinrich Schenker und Guido Adler. Und unterrichtete dann vor allem auch selbst. Seine Doktorarbeit galt „Dem Kunstwalzer und seinen bedeutendsten Vertretern“, das lebenslange Idol blieb freilich Johannes Brahms. Und von fern gemahnt dessen Spätwerk – insbesondere die für das ihn inspirierende „Fräulein Klarinette“ alias Richard Mühlfeld, den Soloklarinettisten der Meininger Hofkapelle geschriebene Kammermusik – an die beiden Weisse-Stücke, mit denen das findige Berolina Ensemble ihn jetzt dem Vergessen und Verstummtsein entreißt. Beim Entdecker- und Raritätenlabel MDG kann man sich mit seiner Sonate für Klavier und Klarinette sowie seinem Klarinettenquintett nun also ein Klangbild machen. Schön und liebevoll gespielt ist das, und schön und liebevoll, gefällig und versiert gebaut ist diese Musik. Doch mit ihrem Entstehungsdatum 1921 bzw. 1926 hinkt sie hoffnungslos hinterher. Und ist eben nicht originell genug, um etwa, wie Richard Strauss, durch die Kraft der Melodie und harmonischen Empfindung zu punkten. Sie ist einfach nur nett anzuhören. Man lauscht versonnen. Und hat dann Hans Weisse wieder vergessen. Leider.

Matthias Siehler, 22.11.2018



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