Responsive image
Johann Sebastian Bach

Die Kunst der Fuge

Bob van Asperen, Bernhard Klapproth

Aeolus/Note 1 AE10154
(76 Min., 5/2012) SACD

Von dem niederländischen Cembalisten und Organisten Bob van Asperen darf man stets sowohl interpretatorisch wie auch quellenkundlich höchst ausgefeilte Elaborate erwarten, wie die Erfahrung zeigt. Seine 2012 entstandene Einspielung von Bachs „Kunst der Fuge“ ist ein eindrucksvolles Beispiel für van Asperens Akribie: Die Aufnahme wird begleitet von einem Beihefttext, der die Qualität eines musikwissenschaftlichen Aufsatzes hat (man studiere nur die umfangreiche Literaturliste) und das ebenso kontroverse wie sagenumwobene Thema „Kunst der Fuge“ auf der Höhe des Forschungsstandes erschöpfend behandelt. Van Asperen kommt im Zuge seiner Erwägungen zu dem Ergebnis, die „Kunst der Fuge“ sei ein vollendetes Werk und entmystifiziert den Zyklus damit auf wohltuende Weise, um den Blick frei zu machen für Interessanteres – die angemessene Spielweise etwa. Sein Exkurs zur französischen Spielpraxis und ihren Umgang mit den „Manieren“ oder „Agréments“, also den Verzierungen bildet dann eine direkte Brücke zur Praxis. Und diese Praxis ist das zweite – angesichts der Wichtigkeit der theoretischen Überlegungen möchte man kaum sagen: das eigentliche – Faszinosum dieser CD: Van Asperens Spiel ist an Detailreichtum, Differenziertheit, Dichte und unmittelbarer „Schlüssigkeit“ hinsichtlich der Parameter Artikulation, Phrasierung und Agogik kaum zu übertreffen. Van Asperen verkörpert somit das Idealbild des wissenden Interpreten: Durch sein Tun holt er auch ein so „gelehrtes“ Werk wie Bachs finalen Fugenzyklus letztendlich aus der Ecke des Theoretischen und macht es mit der ganzen Fülle seiner im Erklingen nur unter berufenen Händen sich entfaltenden Schönheit erlebbar.

Michael Wersin, 22.12.2018



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Mozart war neun Jahre alt, da komponierte Georg Christoph Wagenseil seine Sammlung von sechs Konzerten für Orgel oder Cembalo, zwei Violinen und Basso continuo. Mit einem Bein stand er im Barock (als Lieblingsschüler von Johann Joseph Fux) und dem anderen in der Wiener Klassik (als Lehrer von Königin Marie Antoinette und Johann Baptist Schenk, der wiederum Ludwig van Beethoven unterrichtete). Heute kennt ihn so gut wie niemand mehr, dabei prägten seine Werke die klassische Tonsprache ganz […] mehr »


Top