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Richard Strauss

„Aber der Richtige …“ (Violinkonzert, Miniaturen)

Arabella Steinbacher, WDR Sinfonieorchester Köln, Lawrence Foster

Pentatone/Naxos PTC 5186653
(60 Min., 5/2017) SACD

Richard Strauss‘ nicht allzu oft zu hörendes Violinkonzert ist als solches sicher Anlass genug für eine Album-Produktion – zumal wenn der schwierige Solopart so gekonnt und engagiert vorgetragen wird wie von Arabella Steinbacher in der vorliegenden Aufnahme: Mit sicherer Technik und hellem, schlankem, fokussiertem Ton widmet sich die Geigerin dem mitreißenden Stück, zu dessen Schöpfer sie eine besondere Beziehung hat. Und diese persönliche Beziehung wurde vielleicht etwas zu prominent in den Vordergrund der Präsentation dieser Hybrid-SACD gestellt. Ihren Vornamen nämlich verdankt Arabella Steinbacher der Strauss-Begeisterung ihrer Eltern, wie im Beihefttext recht breit ausgeführt; der Vater war als Berufsmusiker u.a. mit der Musik von Strauss beschäftigt und mit dessen Tonsprache, besonders mit den Opern, zutiefst vertraut. Die Bearbeitung des titelgebenden Ausschnitts aus der Oper „Arabella“ („Aber der Richtige …“) erklingt somit nicht zufällig als abrundender Schluss des Programms nach einer Reihe von Transkriptionen einiger Lieder und Instrumentalstücke.
Es ist nachvollziehbar, dass Instrumentalisten – und Arabella Steinbacher ist da ja bei weitem nicht die Einzige – sich von Strauss‘ weit ausgreifenden vokalen Melodiebögen angezogen fühlen, schließlich hat Strauss die Instrumentalsolisten hinsichtlich originaler konzertanter Werke ja auch eher stiefmütterlich behandelt. Außerdem beschrieb er selbst sein kompositorisches Vorgehen in der Gattung „Lied“ dergestalt, dass man auf den ersten Blick von einer so starken Inspiration der Stücke direkt durch die zugrundeliegenden Gedichte, wie man sie etwa bei Schubert vermuten darf, scheinbar nicht auszugehen braucht. Der unmittelbare Höreindruck ohne Text offenbart dann aber doch, wie sehr die vokalen Linien, wie sehr wohl auch die Lieder in ihrer Gesamtanlage vom Text her gedacht sind und wie sie ohne die zugehörigen Worte vergleichsweise nackt im Raum stehen: Nach dem genuin instrumental konzipierten Violinkonzert wirkt die anschließende Reihe der Bearbeitungen etwas verloren und bedeutet für den Verlauf des Programms einen Antiklimax. Nun ja, man muss die CD ja nicht von vorn bis hinten hören – ungeschmälert durch das Gesamtkonzept steht Arabella Steinbachers fulminante Leistung als Solistin im Violinkonzert für sich, und allein wegen dieser Leistung lohnt sich der Kauf dieses Albums.

Michael Wersin, 05.01.2019



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