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Ludwig van Beethoven

Klavierkonzerte Nr. 4 und Nr. 5

Nicholas Angelich, Insula Orchestra, Laurence Equilbey

Erato/Warner 9029563417
(74 Min., 3/2018)

Der amerikanische Pianist Nicholas Angelich ist bisher vor allem mit romantischem Repertoire in Erscheinung getreten. Nun hat er sich in Zusammenarbeit mit der französischen Dirigentin Laurence Equilbey (ausgebildet u. a. bei Harnoncourt, bekannt vor allem als Leiterin ihres Chores „Accentus“) überraschenderweise zwei Klavierkonzerten von Beethoven gewidmet. Die vorliegende Produktion entstand am Ende einer Reihe von Konzerten der beiden Künstler gemeinsam mit dem von Equilbey gegründeten „Insula“-Orchester.
Das Ergebnis ist ebenso interessant wie der etwas eigenwillige interpretatorische Ansatz als solcher: Angelich spielt auf einem restaurierten Pleyel-Flügel aus dem Jahr 1892, womit er „seinem“ Beethoven zwar eine historisierende Qualität beigibt (was klanglich auch deutlich wahrnehmbar ist), dies aber bezogen auf die Beethoven-Interpretation des späten 19. Jahrhunderts. Equilbey, deren Orchester gleichzeitig auf Instrumenten der Beethoven-Zeit spielt, erklärt diesen Kompromiss im Beihefttext: Schon Beethovens Schüler Carl Czerny habe im Jahr 1824 das Klangvolumen eines damaligen Hammerflügels als zu gering für größere Säle empfunden und sich geweigert, das fünfte Konzert seines Lehrers im großen Wiener Redoutensaal zu spielen.
Die Kombination der historisch nicht ganz passenden Elemente hat zur Folge, dass wir das Klangbild keineswegs als so historisierend wahrnehmen wie etwa in der Aufnahme des Konzertes Nr. 4 von Arthur Schoonderwoerd und seinem Ensemble „Cristofori“, in welcher das Stück hinsichtlich der instrumentalen Timbres und des Zusammenspiels von Orchester und Hammerflügel quasi wie ein ganz neues Stück erlebt werden kann. Und doch ist auch der Beethoven auf dieser CD in gewissem Sinne neuartig: Angelich bringt es auf dem Pleyel-Instrument mit seinem weniger auf Brillanz denn auf Abrundung getrimmten Farbenspektrum zu einer klanglichen Dichte und Intensität, die ihresgleichen sucht. Zudem ergeben sich immer wieder neue, interessante Mischungen und klangliche Allianzen mit den Orchesterinstrumenten, die in konventionell besetzten Aufnahmen so nicht zu hören sind. Darüber hinaus ist die Qualität und Einzigartigkeit dieser Version allerdings nicht nur in der Wahl der Instrumente begründet: Angelich und Equilbey haben sich auch vorgenommen, den quasi-improvisatorischen Charakter der Stücke zum Erlebnis zu machen: Schon Beethovens ganz eigener, kreativer Umgang mit der Konzert-Form war ja für die zeitgenössischen Hörer ein aufregender Aspekt, und wenn freilich auch der Notentext des Klavierparts zwangsläufig nur in der von Beethoven fixierten Form wiedergegeben werden kann (während Beethoven selbst als Solist sicher auch im Konzert teilweise improvisiert hat), so lässt sich dennoch der grundsätzliche kreative Ansatz der Stücke auch im interpretatorischen Vorgehen umfassend berücksichtigen. Und das ist in dieser Einspielung zweifellos gelungen. Sie ist darum gerade auch für Kenner der Stücke uneingeschränkt zu empfehlen.

Michael Wersin, 12.01.2019



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