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Hector Berlioz

Roméo et Juliette op. 17

Sasha Cooke, Nicholas Phan, Luca Pisaroni, San Francisco Symphony, San Francisco Symphony Chorus, Michael Tilson Thomas

SFS/Warner 2193600742
(145 Min., 6 & 7/2017) 2 CDs, SACDs

Überpünktlich zum Beginn des Berlioz-Jahres 2019 (150. Todestag) liegt mit der Neuaufnahme der Love-Story „Roméo et Juliette“ eines der merkwürdigsten, dafür aber dennoch erfreulich oft eingespielten Hauptwerke des Franzosen vor. Denn auch hier zeigte Berlioz in voller Breite und Tiefe, dass er einfach nichts nach Gattungsschema F komponieren konnte, ja wollte. Wie etwa sein „Harold en Italie“ ein Zwitterding aus Bratschenkonzert und Sinfonie oder seine „Damnation de Faust“ ein Mix aus Oper und Oratorium ist, so hat er zu seiner ausgefallenen Adaption des berühmten Shakespeare-Stoffs angemerkt, „dass es weder eine konzertante Oper noch eine Kantate ist, sondern eine Chorsinfonie“.
Dementsprechend steht der Chor der San Francisco Symphony auch jetzt mit im Mittelpunkt – und dies äußerst erfreulich. Auch weil Michael Tilson Thomas am Pult seines Orchesters immer auf ein perfekt ineinandergreifendes Räderwerk aus orchestralem Raffinement und großvokaler Plastizität mit entsprechender Textverständlichkeit setzt. Überhaupt ist Tilson Thomas hier in seinem Element, was das nötige Sensorium für die mal opulent sprudelnden und dann wieder die (für Berlioz besonders typischen) bizarr-fantastischen Klangfarben angeht (nur in der „Liebesszene“ lässt er sein Orchester doch zu sehr Tschaikowski-like auf die Tränendrüse drücken). Unter den drei Solisten macht Bass-Bariton Luca Pisaroni als „Pater Lorenzo“ die beste Figur. Solide kommt Tenor Nicholas Phan rüber – während Mezzosopranistin Sasha Cooke bei der Aufnahme wohl in einer Ecke gestanden haben muss, die die Mikrofone nur schwer erfassen konnten.

Guido Fischer, 19.01.2019



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