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Georg Friedrich Händel

Arien und Ouvertüren (2)

Emma Kirkby, Brandenburg Consort, Roy Goodman

Hyperion/Koch CDA 67128
(70 Min., 6/1999) 1 CD

Viele Opernsänger machen es sich kaum klar: Mit jeder Rolle verkörpern sie nicht nur eine bestimmte Bühnenfigur, sondern sie schlüpfen auch in die Haut eines anderen Künstlers oder einer anderen Künstlerin, für deren Stimme der Komponist einst die entsprechende Partie "geschneidert" hat. Von den Anfängen der Oper bis hin zu Verdi war es üblich, Rollen für ganz bestimmte Darsteller zu schreiben und ihren Möglichkeiten anzupassen. Auch Händel hat so gearbeitet, und vor diesem Hintergrund ist es logisch, dass sich eine Sängerin unserer Tage wie Emma Kirkby ein Programm dieses Komponisten weniger nach chronologischen oder thematischen Gesichtspunkten aussucht, sondern Arien zusammenstellt, die fast alle von einer Lieblingssängerin des Meisters interpretiert wurden. Anna Strada del Pò hieß die Sopranistin, die Händel noch die Treue hielt, als so mancher von seiner Truppe zur Konkurrenz überwechselte.
Emma Kirkby passt sich mit klarer, unprätenziöser Gestaltung den unterschiedlichen Anforderungen an, die Händel einst an seine Star-Sängerin stellte. Ob glanzvolle Koloraturen oder intim-lyrischer Momente: Die Kirkby weiß jede Phrase, jede Geste mit ihrer Gold getönten Stimme zu überziehen und gleichzeitig so eng mit dem Tonfall der italienischen Sprache zu verbinden, dass Musik und Text eine untrennbare Einheit bilden - ein Genuss! Die Gesangsstücke bilden zusammen mit den eingefügten sehr entdeckenswerten Ouvertüren reizvolle "Mini-Querschnitte" der kaum bekannten Händel-Opern "Lotario", "Partenope", "Ezio", "Sosarme", "Atalanta", "Arianna in Creta", "Alcina", "Berenice" und "Deidamia". Die ausgezeichneten Beiheft-Texte dazu ergänzen die CD zu einem kleinen Opernführer der besonderen Art: Maßgeschneidert nicht nur für Freunde der Barock-Oper, sondern auch für Musikliebhaber, denen dieses Gebiet bisher noch nicht erschlossen war.

Oliver Buslau, 15.06.2000



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