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Giovanni Bottesini, Astor Piazzolla, Nino Rota

„My Double Bass“ (Grand Duo concertante, Le Grand Tango, Divertimento concertante)

Ödön Rácz, Noah Bendix-Balgley, Franz Liszt Chamber Orchestra, Speranza Scappucci

DG/Universal 4817731
(51 Min., 9/2018)

Da behaupte noch einer, dass der Kontrabass viel zu steif und unbeweglich wäre, um nach allen Regeln der Kunst säuseln, flirten und schmachten zu können. Man höre nur einmal Ödön Rácz dabei zu, wie er die vier Saiten seiner mannshohen Bassgeige etwa bei Astor Piazzollas „Le Grand Tango“ nicht allein verlockend schön singen lässt. Auf ihnen erzählt er vielmehr herrlichste Liebesleid & Liebesfreud-Geschichten, und das endlich mal ohne diese ewig gleiche nostalgische Gefühlsduselei, für die Piazzollas Musik ansonsten steht. Damit hat Ödön Rácz, seines Zeichens Solo-Kontrabassist der Wiener Philharmoniker, auf seinem bereits zweiten Solo-Album schon einiges in die Waagschale geworfen, um sein Instrument endlich mal mehr zu beachten.
„My Double Bass“ lautet der Titel der Aufnahme, für die er sich wieder mit dem Franz Liszt Chamber Orchestra zusammengetan hat. Und unter der Leitung der Italienerin Speranza Scappucci widmet sich Rácz nebst Piazzolla noch Originalwerken aus der Feder zweier Italiener. Das „Grand Duo concertante“ von Giovanni Bottesini, vom Paganini-Schüler Camillo Sivori für Kontrabass und Geiger eingerichtet, ist natürlich längst ein Muss für jeden, der es auf diesem Tieftöner zu etwas bringen will. Doch statt nun den Geigenkollegen Noah Bendix-Balgley mit geballter Technik, höllischen Doppelgriffen bis zu verlockend glitzernden Flageoletts an die Wand zu spielen, weist sich Rácz in diesem direkt ins Ohr gehenden Stück als einfühlsamer Dialogpartner aus.
Aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, genauer: aus den Jahren 1967-71 stammt das „Divertimento concertante“, das Nino Rota für einen befreundeten Kontrabass-Professor komponierte. Dem Filmmusikkomponisten Rota sind nicht zuletzt für die Streifen von Federico Fellini unzählige herzzerreißende Melodien aus der Feder gesprudelt. Die vier mit „Allegro“, „Marcia“, „Aria“ und „Finale“ betitelten Sätze pflegen hingegen eher das neo-klassizistische Erbe – wobei Ödön Rácz von federleicht über draufgängerisch bis innig kantabel alles abruft, um auch bestens zu unterhalten.

Guido Fischer, 26.01.2019



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