Es ist zum irre werden. Sie dreht sich wie eine Schraube im Kopf, diese vermaledeite Melodie: „Blanche-Marie et Marie-Blanche“. Der süße Seim, aus dem Gassenhauer sind. Verfasst hat ihn André Messager (1853-1929), ein Mann der leichten Musen mit Anspruch, der sich als Dirigent auch allerhöchste Weihen holte. Eines seiner in Frankreich lange beliebten Werke hat jetzt die inzwischen auch in Sachen Operette unermüdliche Stiftung Palazzetto Bru Zane aufpolieren lassen, eben die Geschichte von Marie-Blanche und Blanche-Marie, genannt „Les p’tits Michu“. Die Nummer 19 aus der buchähnlichen Deluxe-CD-Edition präsentiert sich in Rosa und Glitzerhellblau, mit zwei Quietscheentchen samt Seifenblasen auf dem Titel. Geht es doch um eine ebenfalls seifenblasenleichte Verwechslungsgeschichte zweier Mädchen im Bade, eben den beiden kleinen Töchtern des Markthändlerehepaars Michou. Die eine war nämlich nur geliehen und in Pflege, man weiß aber nicht mehr welche. Was zu Konfusionen führt, als ihr richtiger Vater sie einem Ehemann zuweisen möchte. Am Ende und viele heitere, in die Ohren, in den Bauch und in die Füße gehende Melodien, Walzer, Duette und Ensembles später löst sich alles in Wohlgefallen auf. Violette Polchi und Anne-Aurore Cochet sind als unschuldsvoll-frivoles Schwesternpaar eine Ohrenweide, krachig-derb-rustikal knallen als Eltern Michou Marie Lenormand und Damien Bigourdan ihre Pointen raus. Fesch tönen Jean-Christophe Lanièce (Gaston) und Artavaz Sargsyan (Aristide) als Liebhaber. Mathieu Dubroca gibt mit komisch-pompöser Aufgeblasenheit den Vater-General, Romain Dayez ist das Faktotum Bagnolet. Und Caroline Meng schmeißt sich in die schrille Gestalt der Pensionsvorsteherin Mademoiselle Herpin. Pierre Dumoussaud lässt es orchestral bitzeln und blubbern, dirigiert straff, dabei melodienverliebt. Das hat Verve und ist atemlos charmant.

Matthias Siehler, 02.02.2019



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