Responsive image
Frédéric Chopin

Nocturnes op. 55, Mazurkas op. 56, Berceuse op. 57, Klaviersonate Nr. 3 op. 58

Maurizio Pollini

DG/Universal 483 6475
(54 Min., 3 & 5/2018)

Nun ist es fast auf das Jahr genau 60 Jahre her, dass Maurizio Pollini 1960 den Warschauer Chopin-Wettbewerb gewann und mit diesem Komponisten den Weg für eine Weltkarriere ebnete. Und wenngleich man ihm seitdem das Etikett eines nüchtern und intellektuell zur Sache gehenden Jahrhundertpianisten anpappte, weil er sich für die oftmals extrem verschachtelte Neue Musik einsetzte, hat Pollini doch immer die erzählerischen Dimensionen, das Raffinement sowie die Schönheit der Musik im Blick gehabt. Das gilt bis zum heutigen Tag für seine Beschäftigung mit den späten Klaviersonaten von Beethoven, mit Debussy sowie vor allem für Chopin.
Nach seinem Album von 2017, auf dem er unter dem Titel „Spätwerke“ sich gleich einer kompletten Werkreihe mit den Opera 59-64 gewidmet hatte, ist er dieser Dramaturgie auf seinem jüngsten Chopin-Recital treu geblieben. Aus den Jahren 1843/44 stammt das hier eingespielte Programm, das in der b-Moll-Sonate gipfelt. Pollini bewegt sich damit auf vertrautem, weil längst auch auf Tonträger eingespieltem Terrain. Natürlich hat mit dem Alter nicht zuletzt die Wucht etwas abgenommen, mit der der heute 77-Jährige vor einer halben Ewigkeit die Sonate angegangen ist. Von Altersmilde ist jedoch hier wie auch in den zwei Nocturnes, drei Mazurkas sowie in der Berceuse keine Spur. Im Gegenteil. Was Pollinis Anschlagsnuancierung angeht, sein lebendiges, keine falsche Sentimentalitäten zulassendes Spiel, das selbst bewegende Zärtlichkeit besitzt, ist das alles von einer ähnlich zeitlosen Größe wie das Chopin-Bild des von ihm bewunderten Kollegen Artur Rubinstein.

Guido Fischer, 09.02.2019



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Mozart war neun Jahre alt, da komponierte Georg Christoph Wagenseil seine Sammlung von sechs Konzerten für Orgel oder Cembalo, zwei Violinen und Basso continuo. Mit einem Bein stand er im Barock (als Lieblingsschüler von Johann Joseph Fux) und dem anderen in der Wiener Klassik (als Lehrer von Königin Marie Antoinette und Johann Baptist Schenk, der wiederum Ludwig van Beethoven unterrichtete). Heute kennt ihn so gut wie niemand mehr, dabei prägten seine Werke die klassische Tonsprache ganz […] mehr »


Top