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Jean Sibelius

Sinfonie Nr. 1, En Saga

Göteborger Symphoniker, Santtu-Matias Rouvali

Alpha/Note ALP 440
(59 Min., 5 & 6/2018)

Dieses Repertoire haben selbstverständlich alle finnischen Dirigenten und Orchester im Blut. Die Musik von Jean Sibelius gehört schließlich zum Grundnahrungsmittel. Und trotzdem: Selbst wenn das jetzt von Santtu-Matias Rouvali und den von ihm seit 2017 hauptamtlich geleiteten Göteborger Symphonikern eingespielte Programm längst auch zu den Dauerbrennern auf dem internationalen Tonträgermarkt gehört, entpuppt sich die Wiederbegegnung mit der 1. Sinfonie sowie der Tondichtung „En Saga“ nun als packend, mitreißend, bisweilen überwältigend.
Von geballter Energie über wilden Farbenrausch bis hin zu übergroßen Melodiebögen setzt dieses Musikerteam ganz aufs Klangkulinarische – um gleichzeitig das Kunststück fertigzubringen, alles derart transparent und plastisch durchzugestalten, dass nun wirklich jede noch so scheinbar beiläufige Nebenstimme als wichtiger, notwendiger Baustein erscheint. Immer hat man den Eindruck, dass sich die Musiker bis zum Letzten verausgaben. Und dennoch haben sie dabei alles fest im Blick und im Griff. Zwar öffnen die Musiker unter dem finnischen Shooting-Star Santtu-Matias Rouvali nach der verhalten-geheimnisvollen, von der Klarinette dominierten Introduktion schon fast standesgemäß melossatt die ersten kleinen Tschaikowski-Schleusen. Und auch in den kommenden Sätzen kommt man nicht umhin, die musiksprachlichen Verwandtschaftsbeziehungen zwischen der russischen Romantik und der finnischen Musik zu beglaubigen. Aber diese Bezüge bilden eben nur eine der vielen Facetten eines sinfonischen Organismus, der aus einem Guss daherkommt und dennoch nicht die vielen Brüche unterschlägt, die in Sibelius´ erstem großen Orchesterdrama auch stecken. Sollte diese Einspielung der Startschuss für eine umfangreiche, nicht nur auf Sibelius spezialisierte Studioarbeit sein, darf man sich schon jetzt auf viele weitere Großtaten von Santtu-Matias Rouvali und seinen Göteborger Symphonikern freuen.

Guido Fischer, 09.02.2019



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Kommentare

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Rainer Willamowski
Der Kritik stimme ich in vollem Umfang zu. Wer Rouvali und die Göteborger nicht nur hören, sonder auch sehen möchte, der kann das über "vimeo" tun. Dort sind viele Live-Konzerte der Göteborger zu finden, auch die 1. Sinfonie von Sibelius. Die Videos sind in sehr guter Bild- und Tonqualität und lassen sich auch für private Zwecke problemlos herunterladen. Zu den Videos kommt man auch über die Orchester-Webseite der Göteborger. Sehr zu empfehlen.




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