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Reflections and Odysseys

Rymden

Jazzland/Edel 1079206JZL
(48 Min., 1/2018)

Die Meldung dürfte Fans von e.s.t. aufhorchen lassen: Zehn Jahre nach Esbjörn Svenssons tragischem Unfalltod spielen seine ehemaligen Mitstreiter Dan Berglund und Magnus Öström wieder in einem Piano-Trio. Auf dem Klavierschemel hat mit dem Norweger Bugge Wesseltoft jemand Platz genommen, der wie e.s.t zur Speerspitze der nordischen Jazzrevolution zur Jahrtausendwende gehörte.
Und natürlich gibt es Stellen auf dem ersten gemeinsamen Album der drei Skandinavier, die an das Esbjörn Svensson Trio erinnern: Berglunds gestrichener Bass. Öströms charakteristisches Schlagzeugspiel, das nicht vor Verfremdungen durch Echo- und Delayeffekte zurückschreckt. Oder die Nummer „The Lugubrious Youth Of Lucky Luke“, die nicht nur einen typischen e.s.t.-Stücktitel trägt, sondern mit ihrem schwerelos-zeitlupenhaften Groove auch deutlich an „From Gagarin's Point Of View“ gemahnt.
Doch Rymden (zu Deutsch: „Raum“), wie sich der Zusammenschluss von Wesseltoft, Berglund und Öström nennt, ist kein Rückgriff auf vergangene selige Zeiten, sondern reflektiert die Entwicklung, die Svenssons Bassist und Drummer in der vergangenen Dekade gemacht haben. „Bergen“ zum Beispiel lässt in der Coda mit ihren wortlosen Gesängen die Hymnik von Öströms Soloeinspielungen erkennen, während das grimmig rockende „Råk“ auf Berglunds Band Tonbruket verweist.
Wesseltoft schließlich bringt neben den typisch skandinavischen Klavierromantizismen à la Bobo Stenson und Jan Johansson noch ganz andere Farben ins Spiel. Er greift unter anderem zum E-Piano, was eine Komposition wie „Pitter-Patter“ zum Ausflug in Chick Coreas Fusionjazz der 1970er macht. So wird „Reflections and Odysseys“ gleichermaßen zu einer verträumten Reise ins Ich wie zu einer mit geisterhaften Soundmodulationen angereicherten Entdeckungsfahrt durch Zeit und Raum. Ob Rymden eine ähnliche Erfolgsgeschichte beschieden ist wie e.s.t., wird sich zeigen.

Josef Engels, 16.02.2019



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