Einen im heutigen Konzertleben praktisch noch kaum bekannten italienischen Komponisten, der ein Gutteil seines Berufslebens in Dresden verbracht hat, porträtieren Jörg-Andreas Bötticher und sein Basler Ensemble auf dieser hörenswerten CD: Es handelt sich um Giuseppe Peranda (1625-1675), der nach 1650 den modernen Musikstil der römischen Schule nach Dresden brachte und damit dem bis dato unangefochtenen Heinrich Schütz durchaus ein wenig in die Quere gekommen zu sein scheint. Beim ersten Höreindruck mag man sich fragen, warum Schütz’ ungeheuer sprachnahe, mit dem lutherschen Bibeldeutsch scheinbar unauflöslich verbunden im Dienste der volkssprachlichen Verkündigung stehende Musik wohl ins Hintertreffen geraten sein könnte. Tatsächlich jedoch scheint der moderne tänzerische Tonfall von Perandas Musik und die dazugehörige neue Art von (vor allem vokaler) Virtuosität, dies alles verbunden mit einer beinahe szenischen Hervorhebung solistischer Passagen, eine Menge Anklang gefunden zu haben – das Pendel der Publikumsgunst schlug offenbar auf die Seite der neuartigen Unterhaltsamkeit aus.
Bötticher und sein Ensemble verstehen diese Aspekte plastisch zum Vorschein zu bringen. Zu einem exquisiten Instrumentalensemble, dessen faszinierend homogene Klanglichkeit immer wieder vom virtuosen Spiel der Zinkenisten Bork-Frithjof Smith und Gebhard David gekrönt wird, treten eine Reihe prominenter Sänger, die sowohl als Ensemble wie auch solistisch weitestgehend überzeugen: Allen voran ist Miriam Feuersinger mit ihrem flexiblen, geschmeidigen Sopran zu nennen, aber auch Markus Flaig begeistert mit kerniger Präsenz im Bassregister. Eine großartige Ensembleleistung.

Michael Wersin, 16.02.2019



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Wenn man eine Umfrage über die Lieblingsjahreszeiten machen würde, dann würde der Winter dabei vermutlich eher schlecht abschneiden. Zu kalt, zu nass, zu dunkel – so die landläufige Meinung über diesen introvertierten Bruder des sonnensatten Sommers und der farbenfrohen Übergangszeiten. Nur Weihnachten, das bildet ein kleines, gemütliches (wenn auch für viele nicht unstressiges) Glanzlicht in der Winter-Tristesse. Doch der Winter ist weit mehr als nur die dunkle Jahreszeit, das hat […] mehr »


Top