Responsive image
Robert Schumann

Cellokonzert op. 129, Adagio & Allegro op. 70 u.a.

Gautier Capuçon, Renaud Capuçon, Martha Argerich, Chamber Orchestra of Europe, Bernard Haitink

Erato/Warner 9029563421
(78 Min., 2009-2015)

Der Künstler, rückblickend als junger Mann. Nicht ganz, denn der 38-jährige französische Cellist Gautier Capuçon ist auch heute noch immer ein Frischling. Optisch, vom Temperament, seiner flitzenden Technik, wie seiner quicken Auffassungsgabe her. Dieses Album ist allein Robert Schumann gewidmet, das fotografische Artwork zeigt den nach wie vor gut Aussehenden zudem als mal schmachtenden, mal umflort dreinblickenden Romantiker mit Pelerine, im Park, in der Kutsche und zwischen Säulen. Es ist trotzdem fast so etwas wie ein Album nicht für die Jugend, sondern aus der Jugend geworden. Zehn Jahre ist die älteste Aufnahme alt, fünf die jüngste. Und die, mit dem umsichtigen Bernard Haitink am Pult des kultiviert schlanken Chamber Orchestra of Europe, gilt dem Hauptwerk.
Denn Gautier Capuçon, schon vergleichsweise lange im Klassikgeschäft, kann auf eine immense Diskografie verweisen, für die er stets seinem Label und seinem Produzenten Alain Lanceron treu geblieben ist. Seltsamerweise hatte er aber eines der Hauptgerichte auf jeder Cellistentafel noch nicht festgehalten – eben das Schumann-Konzert. Das tut er hier live: gelöst, gelassen, mit eher klassizistisch abgeklärtem als hochfahrendem, egoman-romantischem Gestus. Eine sangliche, ausgefeilte, in den Details routinefreie Interpretation. Das gilt auch für die bereits in diversen Lugano-Boxen von Martha Argerichs dortigem „Progetto“ veröffentlichten Zugaben und schönen Schumann-Momenten: Adagio & Allegro op. 70, Fantasiestücke op. 73 & op. 88 sowie 5 Stücke im Volkston op. 102. Alle mit der Chefin selbst am Klavier und (im op. 102) Bruder Renaud an der Geige. Ein eingespieltes Team. Also keine Zufallsauswahl, sondern eine stimmige Schumann-Sammlung.

Matthias Siehler, 16.02.2019



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Der Himmel hinter Mauern: Es mag ungewöhnlich aus heutiger Sicht erscheinen, dass eine Ordensschwester Arbeiten nachgeht, die sich nicht unmittelbar aus ihrem Dienst am Kloster ergeben zu scheinen, aber tatsächlich waren Klöster bis kurz vor der Reformation bereits blühende Orte der Konversation, der Kultur und der Künste. Chiara Margarita Cozzolani, eine im Mailänder Raum des 17. Jahrhunderts in eine wohlhabende Familie hineingeborene Frau, legte mit 18 Jahren ihr Gelübde bei den […] mehr »


Top