Als der Belgier Adolphe Sax im Jahre 1840 das Saxofon erfand und zunächst in Paris damit Aufsehen erregte, war noch nicht abzusehen, dass dieses im Spektrum der Holzblasinstrumente ausgesprochen willkommene neue Instrument mit seiner warmen tenoralen Farbe nicht zum festen Bestandteil des klassischen Instrumentariums werden würde: Die französischen Komponisten nämlich griffen die neuen klanglichen Möglichkeiten, die sich mit dem Saxofon auftaten, sogleich gern auf. Die Russen, die sich um 1900 in regem Austausch mit der französischen Szene befanden, zogen bald darauf nach. So kommt es, dass in diesem Rezital auch Originalrepertoire geboten werden kann: Unter anderem Alexander Glasunows Konzert für Altsaxofon und Orchester (op. 109) und der erste Satz aus Darius Milhauds „Scaramouche“-Suite (op. 165b) repräsentieren diese Sparte. Hinzu kommen Bearbeitungen von Opernarien – sie unterstreichen auf höchst eindrückliche Weise die Verwandtschaft des Saxofon-Timbres mit demjenigen der menschlichen Stimme – sowie Opernfantasien der zeitgenössischen Komponisten Alexei Shor und Christina Lauba.
Die ganze Buntheit dieses illustren Repertoires hält die Saxofonistin Asya Fateyeva mit ihrer makellosen Technik, ihrem reinen, wie warmer Honig fließenden Ton und ihrer anrührend emphatischen Art der Interpretation auf vorzügliche Weise zusammen. Liebevoll begleitet vom Württembergischen Kammerorchester Heilbronn unter Ruben Gazarian demonstriert sie den Hörern ein breites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten des Saxofons im klassischen Bereich. Schade, möchte man ausrufen, dass die klassischen Komponisten dieses tolle Instrument nicht umfassender und selbstverständlicher adaptiert haben: Der Erfolg jedenfalls, den es ab 1920 in der Jazzmusik hatte, lässt sich klassischerseits nie mehr einholen. Wie schade!

Michael Wersin, 23.02.2019



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