Das Cover warnt schon vor: Joyce Di Donato, die Göttliche, eben 50 Gewordene, ungemein Wandlungsfähige, ist da ganz nostalgisch in einem Strahlenkranz zu sehen, trägt Frack und Zylinder, steht vor einem alten Mikrofon und singt – ja was? Der Titel „Songplay“ sagt alles und gar nichts, wer spielt da mit wem und warum? Am ehesten würde man da wohl eine samtige Mezzo-Hommage an Fred Astaire und die sanfte Crooner der Thirties erwarten – die Dame aus Kansas ist ja eine Ur-Amerikanerin, also absolut legitim. Doch DiDonato, vom Barock bis zum Zeitgenossentum in jeder Epoche und Handschrift stilistisch traumhaft zu Hause, spielt wirklich mit den Liedern und macht uns die Christina Pluhar der Stimme. Will heißen: Sie reißt Gesänge, vor allem aus der jedem Gesangschüler bekannten Sammlung der „Arie antiche“, aus ihrer italienischen Barockwelt und konfrontiert sie mit einem walking bass, gestopfter Trompete, trockenem Kontrabass. Keyboards, Schlagzeug und Bandoneon schaffen zudem unterschiedliche Klanghintergründe und -räume, vor und in denen diese versatile, inzwischen angenehm reif tönende Stimme wunderfein spaziert, in tiefste Regionen hinabsteigt, bekannte Melodien gekonnt jazzig umspielt und improvisiert. Die tollen Musiker sind dabei nie Begleitfolie, im Gegenteil, sie emanzipieren sich gehörig, denn Joyce DiDonato interpoliert immer wieder echte Jazzstandards von Duke Ellington oder George Shearing. Sehr cool und grandios klingt das. „Lullaby Of Birdland“ trifft ohne Verluste auf eine Vivaldi-Arie. Und wir sind um eine faszinierende DiDonato-Fusion-Facette reicher.

Matthias Siehler, 23.02.2019



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