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Georg Friedrich Händel

Italienische Kantaten: Delirio amoroso ("Da quel giorno fatale") HWV 99, La Lucrezia ("O Numi eterni!") HWV 145, "Tra le fiamme" HWV 170

Magdalena Kožená, Les Musiciens du Louvre Grenoble, Marc Minkowski

Archiv Produktion 469 065-2
(68 Min., 12/1999) 1 CD

Ob es mir nicht gut gehe? erkundigte sich besorgt meine Nachbarin vom Hof herauf. Tatsächlich stand meine Balkontüre offen, und Clori befand sich nicht wohl, nachdem ihr Liebhaber Tirsi dahingeschieden war. Die tschechische Mezzosopranistin Magdalena Kožená muss schrecklich viele und schrecklich lange Koloraturstrecken hinter sich bringen, bevor sie ihm in elysische Gefilde nachfolgen darf. Klar, dass Nachbarn solches ängstigen kann.
Ansonsten allerdings sorgen Sängerin und Orchester dafür, dass es in diesen frühen Händel-Kantaten, die wohl für Privataufführungen in römischen Adelspalästen komponiert wurden, insgesamt ziemlich bodenständig zugeht. Temperamentvoll grundieren und initiieren Marc Minkowskis Musiciens du Louvre, was Magdalena Kožená so wirkungsvoll durchlebt und durchleidet, dass man die Qualen des versengten Ikarus (in "Tra le fiamme") ebenso zu spüren meint wie diejenigen der vergewaltigten Lucrezia, bevor diese sich selbst erdolcht.
Bei den großen Gesten und theatralischen Exaltationen fühlt sich Magdalena Kožená allerdings eher zu Hause als bei den kleinen, feinen Details der Gestaltung; dass ihre Stimmführung sehr genau ist, sehr gerade und sehr direkt, entschädigt dafür ebenso wie für den Mangel an Glanz, den sie verbreitet. Dass etliche größere Intervallsprünge (zumal aufwärts) und vor allem einige Koloratur-Passagen nicht in ausreichender Präzision gelingen, ist hingegen schon ärgerlicher. Da darf man getrost die Balkontür schließen.

Susanne Benda, 19.10.2000



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