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Claude Debussy, Maurice Ravel

12 Etüden, Gaspard de la nuit

Joseph Moog

Onyx/Note 1 ONYX4202
(64 Min., 10/2017)

Während die Etüden von Frédéric Chopin aufgrund ihrer Rezeptionsgeschichte schon lange als Konzertstücke akzeptiert sind und entsprechend häufig auf CDs oder in Konzertprogrammen auftauchen, haben die 12 Etüden von Claude Debussy einen solchen Status noch nicht erreicht – obwohl sie deutlich an Chopins Konzertetüden anknüpfen und wie jene nicht den Charakter von öden Übungsstücken haben, sondern ganz zweifellos als vollwertige konzertante Solowerke einen hohen Reiz entfalten. Die Stücke sind dem Spätwerk zuzurechnen, sie entstanden 1915 drei Jahre vor Debussys Tod. Wie bei Chopin ist auch hier jede der Etüden einem bestimmten spieltechnischen Aspekt gewidmet. Die Ausarbeitung ist indes so kunstvoll und hochwertig, dass jedes der Stücke auf seine Art als Essenz seiner pianistischen Kreativität bzw. der pianistischen Entfaltung seiner speziellen Tonsprache erlebt werden kann.
Und Joseph Moog versteht es, auf der Grundlage seiner eindrucksvollen Spieltechnik und seiner klanglichen Imaginationskraft die eher selten zu hörende Sammlung tatsächlich zum unmittelbaren Erlebnis zu machen. Sein Spiel ist überaus brillant und selbst im wildesten Getümmel von bestechender Klarheit und Transparenz gekennzeichnet. Mit höchster Präzision schleudert er selbst schwierigste Oktaven-Passagen in knackigem non legato in den Raum, überlegen gestaltet er wildestes Laufwerk. Den Hörern erschließt er auf diese Weise die Stücke auch strukturell und vermittelt ihnen das Innenleben der Musik, ohne dabei jemals deren bloße Virtuosität zu leugnen. Soviel Freude vermittelt Moog mit Debussys Etüden, dass Ravels „Gaspard de la nuit“, das eigentlich ja ungleich bekanntere Werk, fast in den Hintergrund gerät – ohne dass Moogs Interpretation freilich irgendwelche Wünsche offen lassen würde.

Michael Wersin, 02.03.2019



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