Die Barockkomponistin Barbara Strozzi ist mittlerweile fast so bekannt wie ihr Lehrer Francesco Cavalli. Großen Anteil an der Wiederentdeckung der 1619 in Venedig geborenen Musikerin hatte nicht zuletzt Mezzosopranistin Magdalena Kožená, die vor einigen Jahren eine Barockkompilation mit unter anderem auch Musik von Strozzi veröffentlicht hatte, bei der einem das Herz aufging. Jetzt hat die ungarische Sopranistin und Barockmusik-Spezialistin Emőke Baráth der Strozzi mit „Voglio cantar“ ebenfalls ein Album widmet – wobei sie wie ehemals Magdalena Kožená das Ganze auch mit Vokal- und Instrumentalstücken von so manchen Zeitgenossen gespickt hat.
Stimmlich wie gestalterisch bringt Baráth so ziemlich alles mit, um mit den nicht nur gesangstechnisch höchst anspruchsvollen Opernarien und Lamenti zu bewegen und mitzureißen. An magischem Melos und unter die Haut gehender Expressivität mangelt es ihr nicht – wie sie gleich in der das Programm eröffnenden Strozzi-Arie „Che si puo fare“ unter Beweis stellt, in der sie die ganze Tragik einer von Amor im Stich gelassenen Frau spürbar macht. Mit herzerwärmender Tonfülle gelingen Baráth aber auch solche Arien-Schmankerl wie die aus der Feder von Antonio Cesti sowie Cavalli (u.a. aus seiner Oper „Statira, principessa di Persia“). Nur in jenen Bravourarien, wo es über Stock und Stein geht und man ständig mordsmäßige Intervallsprünge hinlegen muss, kommt die Sopranistin in den Höhen dann doch merklich an ihre Grenzen. Dennoch überwiegt bei diesem Barockalbum der Genuss – auch dank der Alten Musik-Truppe Il Pomo d´Oro, die unter der Leitung von Francesco Corti nicht zuletzt in ihren rein instrumentalen Intermezzi (u.a. in der Sinfonia zu Biagio Marinis „La Zorzi“) für absolute Gänsehautmomente sorgt.

Guido Fischer, 09.03.2019



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