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Philipp Heinrich Erlebach

Die Trio-Sonaten

L‘Achéron

Ricercar/Note 1 RIC 393
(69 Min., 4/2018)

Philipp Heinrich Erlebach wurde 1657 im ostfriesischen Esens geboren, erhielt seine Ausbildung vermutlich in Aurich und erlangte dann eine Anstellung als „Capelldirector“ am Hof des Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt in Thüringen, die seine Lebensstellung werden sollte. Diese nüchternen Daten umreißen die Biografie des 1714 in Rudolstadt gestorbenen Musikers. Seine bis heute wenig bekannte Musik spricht eine markantere Sprache und hinterlässt beim Hörer dieser CD einen tiefen Eindruck.
Das Ensemble L’Achéron hat sich mit einer Sammlung von sechs Sonaten Erlebachs auseinandergesetzt, deren Besetzung jeweils eine Violine und eine Gambe als Continuo-begleitete Soloinstrumente vorsieht. Die Kombination zweier Instrumente, die eigentlich verschiedenen Familien angehören, war in der Buxtehude-Generation nicht unüblich (ein wenig später, zu Bachs Zeit, hatten sich schon die moderneren Violinen durchgesetzt); u.a. Dietrich Buxtehude hat zweimal sieben Sonaten für diese Besetzung hinterlassen, die heute bekannter sind als diejenigen Erlebachs. Anders als Buxtehude jedoch steht bei Erlebach nicht der ansonsten im deutschen Norden verbreitete „Stylus phantasticus“ mit seinen oft recht spektakulären kompositorischen Hypertrophien im Vordergrund. Bei Erlebach ist es vielmehr die Gediegenheit einer ausgewogenen, klangvollen und melodiösen Satzkunst, die den Hörer vom ersten Augenblick an in den Bann zieht: Die beiden Solopartien der Sonaten bieten den Spielern von L’Achéron eine Menge dankbarster melodischer Wendungen, die sie im Übrigen auch aufs Vortrefflichste auszugestalten verstehen. Üppig ist die begleitende Continuo-Besetzung, die den beiden Soli Generalbass-basiert ein klanglich warmes und geschmeidiges Fundament verleiht: Mal mit Orgel, mal mit Cembalo ist die Continuo-Ebene besetzt, mal wird die Bassstimme von einer zweiten Gambe mitgezeichnet, immer ist eine Laute als Akkordinstrument mit von der Partie. Alles in allem vermittelt diese CD ein ungemein liebliches Bild von Erlebachs meisterhafter Kammermusik – eine überaus hörenswerte Produktion.

Michael Wersin, 16.03.2019



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