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Carl Maria von Weber, Franz Schubert

Klaviersonate Nr. 2 op. 39, Klaviersonate D 575

Paul Lewis

harmonia mundi HMM 902324
(58 Min., 4/2017)

Franz Schubert spielt jeder. Aber den Sonaten-Komponisten Carl Maria von Weber? Lange ist es her, als sich auch die russische Weltklasse um Svjatoslav Richter und Emil Gilels immer wieder einmal für das mehrsätzige Klavierschaffen des Eutiners begeistern konnte. Nun könnten Spötter kontern, dass zwischen Weber und Schubert ja nun wirklich Welten liegen. Weber pflegt hier die herrlich funkelnde Salon-Brillanz, in der Musik Schuberts stecken dagegen ganze Menschendramen. Dass die Spannung des Gegensatzpaares aber stets auch davon abhängt, welcher Pianist Weber mit welchem Schubert-Werk konfrontiert, zeigt jetzt der Engländer Paul Lewis. Auf Webers 2. Klaviersonate op. 39 lässt er nicht etwa eine späte, alles in den Schatten stellende Schubert-Sonate folgen, sondern mit der Sonate D 575 eine Komposition aus der mittleren Schaffenszeit. Zwei Werke also, die nicht nur nahezu zeitgleich entstanden sind (1816 bzw. 1817).
Die H-Dur-Sonate Schuberts besitzt gleich zu Beginn eine ähnliche, entspannt diesseitige Haltung, wie sie für den Großteil der Sonate Webers typisch ist. Neben solchen sich immer wieder einstellenden Gemeinsamkeiten im Ausdruck sorgt Lewis dank seines uneitlen, von kerniger Fülle und sanfter Wärme erfüllten Spiels noch für eine weitere verbindende Klammer zwischen den beiden Sonaten. Denn so wie er zu keinem Zeitpunkt Weber zum klaviermaschinenhaften Tonsetzer degradiert, so forscht er bei Schubert nicht krampfhaft nach todessehnsüchtigen Anwandlungen. Lewis bleibt lieber jeweils ganz nah bei der Musik und ihren erzählerischen Dimensionen. Und dass ihm beide Wege, die Weber und Schubert jeweils eingeschlagen haben, als völlig folgerichtig erscheinen, macht er überzeugend hörbar.

Guido Fischer, 30.03.2019



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