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Franz Schubert

Sonaten D 958 & 959, Impromptus D 899, Drei Klavierstücke D 946

András Schiff

ECM/Universal 4817252
(124 Min., 7/2016) 2 CDs

Der von András Schiff für seine zweite intensive Schubert-Beschäftigung verwendete Hammerflügel wurde um 1820 von einem gewissen Franz Brodmann gebaut. Und nicht zuletzt seine vier Pedale sorgen im Dynamischen für eine ungemein große Bandbreite an Farben und Stimmungen. Davon konnte man sich bereits in den späten 1970er Jahren in den Schubert-Aufnahmen von Jörg Ewald Dähler überzeugen. Von dem Hammerflügel-Spezialisten erwarb Schiff 2010 denn auch das Instrument, das seitdem als Dauerleihgabe im Bonner Beethoven-Haus steht. Hier entstand nun ebenfalls die 2. Folge seiner Aufnahme der späten Schubert-Sonaten, die Schiff mit weiteren Werksammlungen wie den Impromptus gekoppelt hat.
Schon die vor vier Jahren erschienene Einspielung mit u.a. den Sonaten D 894 & 960 entpuppte sich als eine Art Entschlackungskur von gängigen und allzu vertrauten Schubert-Bildern. So unsentimental, frei von romantischen Sehnsuchtsanfällen und damit geradezu geerdet hatte man diese Schubert-Werke selten gehört. Und konsequent ist Schiff jetzt seinen Weg weitergegangen. Mit den beiden vorletzten großen Sonaten, dem offiziell ersten Impromptu D 899 sowie den Drei Klavierstücken D 946. Schiffs äußerst differenzierte Anschlagskunst kann dabei zwar im Diskant wunderbar aufblühen. Trotzdem hängen über dem Gesamtklang oftmals zu viele Wolken, die eben weniger auf das Konto des Interpreten gehen, sondern auf den häufig allzu konturlos-dumpfen Bass. Und trotzdem: Wenngleich man doch im Laufe der Aufnahme den Atem, den Zauber und den innigen Seelenkampf vermisst, den diese Werke in sich tragen, bietet diese Draufsicht aus der Perspektive der Originalklangbewegung ein ungewohntes und damit diskussionswürdiges Schubert-Bild.

Guido Fischer, 13.04.2019



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gemihaus
Die Schubert-Einspielungen Jörg Ewald Dählers aus den 70er Jahren auf seinem Brodmann-Hammerklavier gehören zu den musikalisch eindrücklich grossen, ausdrucksstark artikulierten Schubert-Aufnahmen (aller Impromptus), zudem seiner hist. Annäherung an Klangverhältnisse des Schubertschen 19.Jhds. Dählers 'claves'-Aufnahmen sind andrer Klangphilosophie als der klangoptimiert konsumable Sound eines Manfred Eicher, der nun auch Schiffs Schubert betreut, incl. aller unüberhörbaren Unterschiede der musikalisch-pianistischen Diktion. Konturlos-dumpfe Bässe sind jedenfalls bei den Dähler-claves-Einspielungen nicht verifizierbar.




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