Responsive image
Henri Sauguet, Jacques Ibert, Jules Massenet

French Music For Ballet

Estonian National Symphony Orchestra, Neeme Järvi

Chandos/Note 1 CHAN20132
(68 Min., 5 & 6/2018)

Ballettmusik ist funktional gebunden an ein Geschehen auf der Bühne und hat sich schon im Akt des Entstehens auch an choreografischen Erfordernissen zu orientieren. Dennoch werden viele Ballettmusiken auch gern ohne die Beteiligung von Tänzern aufgeführt, manche sind sogar zu festen Bestandteilen des sinfonischen Konzertrepertoires geworden. Dazu zählen Werke wie Ravels „La valse“ oder Strawinskis „Le sacre du printemps“: Ihr konzertanter Erfolg beruht darauf, dass sie auch für sich genommen, ohne Tanz, ein eindrucksvolles Hörerlebnis vermitteln, in den beiden genannten Fällen u. a. auch verbunden mit dem Sujet, das sie thematisieren.
Die auf der vorliegenden CD präsentierten Ballettmusiken hingegen entfalten wohl erst zusammen mit einem entsprechenden Bühnengeschehen ihren vollen Reiz: Ihre musikalische Substanz ist vor allem darauf ausgelegt, „vertanzt“ zu werden, und dies wohl auch auf eher klassische Weise. Am ehesten noch vermag Jacques Iberts „Les amours de Jupiter“ (1945) hier und da mit einigen Spezifika auf harmonischer und klangfarblicher Ebene zu überraschen und bietet zudem einiges Hörenswerte in puncto orchestrale Virtuosität. Von Ibert, der, so wenig präsent er im heutigen Konzertleben ist, doch eigentlich nie enttäuscht, hätten wir gern mehr gehört. Henri Sauguets „Les forains“ (ebenfalls 1945) und auch Jules Massenets „Hérodiade“ (1881/84) dagegen reißen einen wahrlich nicht vom Hocker. Daran ändert auch die tadellose, teils brillante Umsetzung durch das Estonian National Symphony Orchestra unter der kompetenten Leitung von Neeme Järvi leider nichts.

Michael Wersin, 27.04.2019



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

13 Sekunden! Keine Sekunde mehr oder weniger erfreut sich der Hörer an Ludwig van Beethovens Bagatelle op. 119 Nr. 10. Und diese Episode deutet schon auf das entscheidende Schlagwort der neuen Beethoven-CD von Kilian Herold (Klarinette), Peter-Philipp Staemmler (Violoncello) und Hansjacob Staemmler (Klavier) hin, das da lautet: Kurzweiligkeit. „Composing Beethoven“ präsentiert freilich keine Stangenware, sondern ein klug konzipiertes Album, das originale Werke des Geburtstagskindes mit […] mehr »


Top