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Pancrace Royer, Jean-Philippe Rameau, Jacques Duphly, Jean-Henry d’Anglebert u.a.

Le clavecin mythologique

Anne Marie Dragosits

Encelade/Klassik Center Kassel ECL 1801
(73 Min., 9/2016)

Vergessen Sie die Drahtkommoden, die sich bis heute selbst in manch guter Einspielung barocker Musik rasselnd und tonlos arpeggierend ihren geräuschvollen Weg bahnen: Cembalo ist etwas anderes, etwas ganz anderes. Das historische Instrument von 1787 aus der Werkstatt von Pascal Taskin, das – neben seiner kompetenten Spielerin Anne Marie Dragosits freilich – Hauptprotagonist dieser Einspielung ist, darf ohne Übertreibung als ein Wunder an klanglicher Vielfalt und Wandlungsfähigkeit bezeichnet werden. Niemals krätzig, sondern immer ausgewogen im Timbre, dabei mal klar und prägnant, mal samtig und verschattet, verzaubert dieses außerordentliche Instrument den Hörer praktisch von der ersten Sekunde an. Ein Übriges tut das intelligent zusammengestellte Repertoire aus programmmusikalischen Werken barocker französischer Komponisten, die alle um das Thema „Mythologie“ kreisen: Musikalisch porträtiert werden die Musen, die Grazien, Satyre, Medea, Atys, Armida … Es ist erstaunlich, mit welcher Fülle an Ideen Couperin, Rameau, Duphly und einige weitere Zeitgenossen das unstillbare Bedürfnis des Adels und Großbürgertums nach Unterhaltung zu befriedigen wussten. Dank des Könnens von Anne Marie Dragosits, dank ihrer Imaginationskraft und Kreativität wird vor dem Ohr des begeisterten Hörers eine Klangwelt lebendig, von der man zwar theoretisch wissen konnte, die man aber so einnehmend und in den Bann ziehend vermutlich bisher noch nicht erleben konnte. Dragosits hat sich durch das wundervolle, sorgsam restaurierte Taskin-Instrument zu einer interpretatorischen Meisterleistung inspirieren lassen. Eine Ausnahme-Produktion.

Michael Wersin, 04.05.2019



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