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Marc-Antoine Charpentier

Histoires sacrées

Ensemble Correspondances, Sébastien Daucé

harmonia mundi HMM 902280
(161 Min., 10 & 12/2016) 2 CDs + DVD CDs

Es muss nicht immer das „Te Deum“ sein: Sébastien Daucé und das „Ensemble Correspondances“ ehren Marc-Antoine Charpentier ausführlich mit einer vorbildlichen Einspielung einiger seiner „Histoires sacrées“, von denen allein der produktive Franzose rund 35 hinterlassen hat. Und auch dies ist nur ein kleiner Teil seines gewaltigen Werkes, das bis heute erschreckend wenig bekannt ist, obwohl doch Charpentier im Hinblick auf seine prägnante, besondere Tonsprache mindestens ebenso von Interesse sein sollte wie etwa sein englischer Zeitgenosse Henry Purcell.
Zurück zu den „Histoires sacrées“: Es handelt sich dabei um inhaltlich häufig bibelbasierte dialogische Stücke in lateinischer Sprache, die beispielsweise eine markante alttestamentliche Geschichte (hier etwa diejenigen von Judith und Holofernes oder von Saul und Jonathan) zu lehrhaften bzw. erbaulichen Zwecken auf die Bühne bringen. Gegenstand einer solchen musikalischen Dramatisierung können aber auch Jesus-Worte oder eine Heiligenlegende (hier diejenige von Cäcilia) sein. Vorbild für die in Frankreich kaum verbreitete Gattung sind u.a. Carissimis Oratorien.
Sébastien Daucé bietet eine treffliche Auswahl aus diesem Werkbestand sowohl auf CD wie – in anderer, kürzerer Zusammenstellung – auch auf einer Bonus-DVD. Letztere vermittelt u.a. dank hervorragender Inszenierung einen überzeugenden Eindruck von der Bühnenwirksamkeit dieser Stücke, die natürlich ein entscheidender Aspekt ist. Daucé arbeitet mit einer Besetzung aus 14 Sängerinnen und Sängern, die teils solistisch, teils in kleinen Ensembles zum Einsatz kommen. Das vokale Niveau ist durchgehend sehr überzeugend, hervorzuheben sind z. B. Caroline Weynants oder Renaud Bres. Hinzu kommen Streicher, Flöten und Continuo (mit Orgel, Cembalo und Theorbe) – auch hier überzeugt die Qualität. Diese opulente Edition ist ein absolutes „Muss“ für jeden Freund barocker französischer Musik und stellt eine programmatisch intelligent erdachte Bereicherung des auf Tonträgern verfügbaren Repertoires dar.

Michael Wersin, 11.05.2019



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