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Anonymus

The Dubhlinn Gardens

Anne Besson, Reinoud van Mechelen, A Nocte Temporis

Alpha/Note 1 ALP447
(69 Min., 6/2018)

Das Volksliedgut von den britischen Inseln erweckt schon seit Längerem das Interesse auch klassischer Musiker – man denke nur an die Bearbeitungen schottischer und walisischer Lieder von Joseph Haydn und Ludwig van Beethoven. Auf dem vorliegenden Album nun geht es um irische Volksgesänge, allerdings überhaupt nicht um deren Bearbeitung zwecks gepflegter Eingliederung ins klassische Mainstream-Kammermusikrepertoire, sondern um die aufführungspraktisch möglichst authentische Rückverfolgung der dahinterstehenden Tradition in eine Zeit, in der „klassisch“ und „volkstümlich“ noch von denselben Sängern bzw. Instrumentalisten aufgeführt wurden und nicht einer strikten Trennung unterlagen. Für das Aufgreifen dieser Tradition ist eine Menge Fachwissen und Erfahrung nötig, und da verwundert es, dass die Besetzungsliste dieser CD offenbar keine irischen, ja nicht einmal eine Mehrzahl an britischen Künstlern aufweist.
Dafür kann allerdings die Flötistin Anne Besson, offenbar die Initiatorin dieses Projektes, eine auf früher Leidenschaft für dieses Repertoire basierende intensive Beschäftigung mit dieser über lange Zeiträume mündlich überlieferten Musik vorweisen. Und auch der Tenor Reinoud van Mechelen, so ist es in Bessons Beihefttext angedeutet, hat sich gezielt coachen lassen für dieses Programm, denn es war ja nicht nur der professionelle Umgang mit traditionellen Verzierungs- und Improvisationstechniken, sondern vor allem auch mit der gälischen Sprache zu erlernen. Ob nun das Ergebnis in allen Aspekten durch und durch idiomatisch geraten ist, kann freilich nicht beurteilt werden. Sehr wohl gilt es allerdings aus vollem Herzen zu konstatieren, dass diese gelungene Mischung aus Balladen, Kriegs-, Anti-Kriegs- und Liebesliedern überaus ansprechend dargeboten ist. Und dass sie den aufgeschlossenen Hörer praktisch vom Fleck weg in eine, den meisten unter uns wohl wenig bekannte Welt uralter Volkskunst entführt, die nicht nur ungemein reizvoll und unterhaltsam, sondern auch durchaus bewegend ist.

Michael Wersin, 18.05.2019



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