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George Friedrich Händel

Messiah

Collegium Vocale 1704, Collegium 1704, Václav Luks

Accent/Note 1 ACC24354
(130 Min., 3/2018) 2 CDs

Eine Menge Selbstvertrauen und dirigentische Präsenz sowie schlichtweg beachtliches Können gehören dazu, ein so anspruchsvolles Werk wie Händels „Messiah“ in Live-Aufführungen erfolgreich auch für die Konserve zu produzieren. Der zupackende, agile Václav Luks verfügt über diese Qualitäten geradezu im Übermaß, und daher ist seine Version des Händel-Oratoriums als gelungen zu bezeichnen. Die Continuo-Gruppe des Collegium 1704, üppig besetzt mit Cembalo, Orgel und Theorbe, steht wie eine Eins und bildet die sichere Basis für die differenzierte Arbeit des superben Orchesters, dessen Mitglieder handverlesen sind. Ein professionell besetzter Chor aus zwanzig Sängerinnen und Sängern (vier Frauen und nur ein Mann im Alt!) kongruiert perfekt mit dem Orchester, und in immer wieder aufregenden Nummern wie „And He Shall Purify“ oder „For Unto Us A Child Is Born“ sitzen nicht nur die Koloraturen perfekt, sondern es entfalten auch die großen, dynamisch mitreißend ausgestalteten Spannungsbögen eine erhebende Wirkung. Bei den Solisten ist Vibratofreiheit nicht oberstes Gebot: Countertenor Benno Schachtner zieht immer wieder dramatische Expressivität einer sturen Ebenmäßigkeit vor. Krystian Adam gestaltet die Tenorpartie ebenfalls zupackend und authentisch, hat allerdings gelegentlich etwas Mühe mit der englischen Phonetik. Bassist Krešimir Stražanac, der über eine faszinierend satte Stimme verfügt, kostet seine Rezitative und Arien so exzessiv vom Deklamatorischen her aus, dass seine grundsätzliche Ausdrucksintention gelegentlich Fragen aufwirft. Auch die Sopranistin Giulia Semenzato führt ihre Stimme nicht knabenhaft schlicht wie einst Emma Kirkby, sondern mit einer gehörigen Portion Ausdrucksvibrato. Ihre Koloraturen geraten eher „martellato“ als perlenkettenmäßig glatt. Somit präsentiert sich dieser „Messiah“ mitreißend eher aus der Perspektive des in ihm steckenden dramatischen Potentials und lässt erahnen, auf welche Weise Händel mit Stücken wie diesen sein vormals auf die italienische Oper abonniertes Publikum erneut zielsicher zu fesseln vermochte.

Michael Wersin, 25.05.2019



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