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Jean-Philippe Rameau, Xavier Dayer, Brice Pauset, Johannes Schöllhorn u.a.

Tourbillons de Rameau

Teodoro Anzellotti

Winter & Winter/Edel 1002542WIN
(67 Min., 2017/2018)

Teodoro Anzellotti hat nicht nur längst auf dem Gebiet der zeitgenössischen Musik sein Akkordeon unüberhörbar und faszinierend in Stellung gebracht. Dank der Bearbeitung etwa der Sonaten von Domenico Scarlatti oder Bachs Goldberg-Variationen konnte er sein Instrument auch in der Alten Musik ernsthaft verankern. Für sein jüngstes Projekt hat Anzellotti gleich zwei Epochen musikalisch miteinander verschaltet und dafür Jean-Philippe Rameau zum Dreh- und Angelpunkt gemacht. Eine exzellente Wahl, möchte man Anzellotti allein schon deswegen zurufen! Denn die Musik von Rameau ist in ihrem Esprit, Witz und überhaupt revolutionären Geist einzigartig und daher ähnlich dauerhörenswert wie die etwa eines Bach oder Händel.
Anzellotti hat aus dem riesigen Cembalo-Œuvre nun 21 Piècen ausgewählt, arrangiert und verlockend schön zum Leuchten und zum Atmen gebracht (allein „Les soupirs“ erweist sich dank seines intimen Charakters als eine Ode sowohl auf Rameau als auch das Akkordeon!). Zwischen die vielfach berühmten Charakterstücke wie „Le rappel des oiseaux“ und „Les tendres plaintes“ hat Anzellotti zudem sechs Auftragskompositionen gesetzt, die extra für dieses Rameau-Programm entstanden sind. Anfragt wurden sechs Zeitgenossen, die sich mal ganz konkret oder eher assoziativ mit dem französischen Barock-Granden beschäftigt haben. Fabio Nieder schrieb mit „Superposition d´après Rameau“ eine Art neobarockes Klangspiegellabyrinth. Von Tremoli besessen ist dagegen der „Cantus 6“ von Xavier Dayer, der hier die zwei Cembalo-Manuale in Erinnerung bringt. Und während Nadir Vassenas „Palinsesto nero“ auch heftiges Vogelflügel-Schlagen imitieren lässt, erweist sich die „Narration hégémonique“ als eine schillernd-abstrakte Verbeugung Brice Pausets vor seinem Landsmann Rameau.

Guido Fischer, 25.05.2019



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