Responsive image
Joseph Haydn

Haydn 2032, Vol. 7 „Gli Impresari“ (Sinfonien Nr. 9, 65 und 67)

Kammerorchester Basel, Giovanni Antonini

Alpha/Note 1 ALP680
(73 Min., 10/2017)

Das vorliegende Album, auf CD und im Nachgang auch auf LP erhältlich, ist die siebte Folge einer Gesamtaufnahme sämtlicher 107 Sinfonien von Joseph Haydn, die der Dirigent Giovanni Antonini mit dem Kammerorchester Basel und Il Giardino Armonico im Wechsel im Hinblick auf Haydns 300. Geburtstag im Jahre 2032 verwirklichen darf. Das Projekt „Haydn2032“ beinhaltet außerdem eine Partnerschaft mit der Fotoagentur „Magnum Fotos“ (gegründet u. a. von Henri Cartier-Bresson), deren Elaborate dem Inneren und Äußeren der Beihefte eine besondere Note verleihen sollen. Diesbezüglich gebe ich gern zu, dass ich den Zusammenhang zwischen einigen der Fotomotive und der Welt Joseph Haydns auch bei größtmöglicher Offenheit für Assoziationen nicht herzustellen vermochte, aber das ist nebensächlich.
Weitaus zentraler ist nämlich die Frage, ob es dem Dirigenten gelingt, die ganze unendliche Fülle der Haydnschen Sinfonik mit Hilfe der klanglichen und interpretatorischen Mittel der historisch informierten Aufführungspraxis dem heutigen Publikum so überzeugend schmackhaft zu machen, dass jeglicher Ruch von Altväterlichkeit so weit wie möglich außen vor bleibt. Und in diesem Punkt leistet Antonini mit den hier zu hörenden Baslern wirklich Erstaunliches: Ein zupackender, bisweilen angenehm ruppiger Streicherklang, kräftige Hörner, die den Namen „Orchesterpedal“ wirklich verdienen, dazu eine Non-Legato-basierte, stets sehr klare und im Ergreifen der Motivik explizite Spielweise lassen diese Musik selbst nach Jahrzehnten des historisierend geprägten Bemühens um Haydn noch einmal in einem anderen, helleren (bisweilen auch wohltuend grelleren) Licht erscheinen. Ein Übriges tut die Anordnung der Stücke: Es wird nicht einfach nach fortlaufenden Nummern, sondern nach inhaltlichen Gesichtspunkten eingespielt. In der vorliegenden Folge handelt es sich ausschließlich um Sinfonien, die ursprünglich einmal Schauspielmusiken für das Hoftheater des Esterházys waren (daher der auf die jeweiligen Theater-Direktoren bezogene Beiname „Gli Impresari“) und deshalb einige besondere musikalische Merkmale aufweisen. Ein kompetenter Beihefttext entschlüsselt diese Thematik und trägt maßgeblich zu einer gewinnbringenden Rezeption des vorgestellten Repertoires bei.

Michael Wersin, 08.06.2019



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

gemihaus
Auch weniger elaboriert und verquer argumentiert bzw rezensiert ... heute sollte "Altväterliches" um Haydn doch nicht mit aufgeweckten Interpretationen historisch informierter, adäquater Ensembles in Verbindung gerückt werden, sondern mit Papa-Darstellungen wie einst von Jochum, Dorati oder auch noch von Fischer mit seinem Ésterhazy-Konvolut, wo allemal philharmonisch seriös und beflissen korrekt und adrett gespielt wurde. Antonini und seine Kammerensembles bewegen sich hier doch auf hörbar andrem, musikalisch aufgeklärtem Level, und nicht primär ruppig, sondern höchst differenziert akzentuierend, mit präzise artikuliertem Spiel-Duktus, was höchste Beachtung und auch Bewertung verdient. Also, 5* für die 'Gli Impresari' und für Antonini, und auch nicht zu vergessen, solche Experten in historisch informierter Aufführungspraxis wie Sigiswald Kuijken und Rene Jacobs, jeweils mit ihren 'Bands'.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Das ging fix! In Schumanns „Haushaltsbuch“ kann man nachlesen, wenn auch gewohnt kryptisch, wie rasch er mit der Arbeit an seinem Klaviertrio op. 110 vorankam: „1. Okt. 1851 Kompositionsgedanken, 2. Okt. Triogedanken, 3. Okt. 1. Satz fertig, 4. Okt. 2. Satz, 5. Okt. 3. Satz, Freude, 27. Okt. Probe zum Trio zum ersten Mal, Freude.“ Dabei war Schumann sonst nicht unbedingt ein Schnellschreiber wie etwa Mozart. Doch die vier Sätze wirken wie aus einem Guss, wie in einem Schaffensrausch zu […] mehr »


Top