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N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



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Heinrich Ignaz Franz Biber, Salvatore Sciarrino, Luciano Berio, Robert Schumann

„Sequenza“ (Passacaglia, Capricci, Sequenza VIII, Violinsonate Nr. 2 op. 121)

Franziska Hölscher, Severin von Eckardstein

CAvi/harmonia mundi CAvi8553446
(65 Min., 5 & 11/2018)

Wie ein Pendel setzt sich die Violine langsam und dahinwiegend in Bewegung. In einer „Passacaglia“ des böhmischen Barockgeigenvirtuosen Heinrich Ignaz Franz Biber. Und wenngleich sich dieses Stück für Violine solo zu einem mehrstimmigen und immer wieder reich ornamentierten Kunstwerk entwickelt, hinter dem nicht wenige spieltechnische Hürden stecken, wird daraus bei Franziska Hölscher eine große Meditation über vielleicht die existenziellen Dinge des Lebens. Dann Schnitt: Mit der 2. Caprice des Italieners Salvatore Sciarrino taucht Hölscher in eine surreale Klangwelt voller Flageoletts und heftig fluoreszierender Tonfäden ein. Fast aufs Jahr genau liegen drei Jahrhunderte zwischen Biber, Sciarrino sowie auch Luciano Berio, von dem die „Sequenza VIII“ (1976) für Solo-Violine zu hören ist. Doch Hölscher schafft es mit ihrem phänomenalen Spiel, Brücken zwischen den Epochen zu bauen und damit die wechselseitige Beziehung zwischen Tradition und Moderne zu verdeutlichen.
Die ebenfalls geheimnisvoll schillernd-schöne 5. Caprice von Sciarrino ist eine ähnlich große Herausforderung für jeden Violinisten wie Berios Sequenza. Aber bei Hölscher sind die Solo-Piècen eben nicht einfach zeitgenössische Doubles der Capricen von Paganini. Vielmehr liegen gerade die Wurzeln von Berios Sequenza – so meint man mit Biber im Ohr – viel weiter zurück. Nach der unglaublich reichen Palette an Klangzeichen und -gesten, die Hölscher schon traumwandlerisch und spannungsgeladen ausspielt, fügt sich mit dem Finalstück quasi alles wieder zusammen. Es ist Robert Schumanns 2. Violinsonate aus dem Jahr 1851, die Hölscher zusammen mit Pianist Severin von Eckardstein mit klarem, das Romantische nie überziehendem Ton angeht. Und so wundervoll in sich ruhend und sakral anmutend hat man den langsamen Variationensatz mit seinen auch serenadenhaften Pizzikati schon lange nicht mehr erlebt. Franziska Hölscher und Severin von Eckardstein sollten unbedingt über eine vertiefte künstlerische Partnerschaft nachdenken.

Guido Fischer, 15.06.2019



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