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Of Moons and Dreams

Cécile Verny Quartet

Jazzhaus/in-akustik 0366171
(70 Min., 11/2018)

Man mag es kaum glauben: Seit 30 Jahren gibt es das Cécile Verny Quartet inzwischen; seit einer Dekade ist die Besetzung mit Bassist Bernd Heitzler, Pianist Andreas Erchinger und Schlagzeuger Lars Binder unverändert.
Die Verwunderung ist nicht nur angesichts des für Jazzverhältnisse so enormen Durchhaltevermögens so groß, sondern auch aufgrund der Stimme der Bandleaderin. Denn Cécile Verny, die 1969 in der Elfenbeinküste geboren wurde, in Frankreich lebte und seit 1989 in Freiburg wohnt, klingt nach wie vor jugendlich-frisch. Diese Unverbrauchtheit und positive Strahlkraft ihres Gesangs ist es auch, die auf „Of Moons and Dreams“ in reizvollem Kontrast zu den Texten steht.
Denn diese, ob sie nun aus der Feder des englischen Proto-Romantikers William Blake, Verny oder eng mit dem Quartett verbundenen Songschreibern stammen, bewegen sich fernab der oft harmlos-verspielten Liebeslyrik des Great American Songbook.
Der Jazzwaltz „This House“ etwa erzählt poetisch von den in einem Haus gefangenen Erinnerungen nach einer Trennung, während das an die schottischen Edelpopper Hue & Cry erinnernde „Top Shelf Life“ cool pulsierend die Hohlheit der Instagram-Kultur verhandelt. Ob Nachrichten-Overkill (im mit Stevie-Wonder-Clavinet versehenen „The Dream“), das bedeutungsleere Mitteilungsbedürfnis der Gegenwart („Talkin'“) oder der generelle Verlust der Unschuld in unseren ach so abgeklärten Zeiten („Birds In Your Heart“, „The Garden Of Love“, „There Is No Way Back“) – Verny hat viel zu sagen und noch mehr zu besingen.
Aber sie tut es, im Rahmen der zuverlässig von ihrer Band konstruierten Soul-, Poprock-, Blues- und Samba-Grooves, ohne schrillen Predigerinnenton. Klar formulierend, lässig scattend und scheinbar anstrengungslos mit den Silben tanzend bringt Verny ihre Botschaften an den Hörer. Angesichts dieser Klasse schaut man über die Formelhaftigkeit einiger Nummern gerne hinweg.

Josef Engels, 15.06.2019



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