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Johann Sebastian Bach

Goldberg-Variationen

Trio Zimmermann

BIS/Klassik-Center Kassel BISSACD-2347
(74 Min., 8 & 9/2017, 6/2018) SACD

Von Bachs „Goldberg-Variationen“ gibt es inzwischen die unterschiedlichsten Versionen: angefangen vom Akkordeon über die Orgel bis zum Jazz-Ensemble und sogar einem Flöten-Trio. Eine Fassung aber ist inzwischen selbst schon so etwas wie ein Klassiker geworden. Es ist die Transkription des russischen Violinisten und Dirigenten Dmitry Sitkovetsky, die er 1985 anlässlich Bachs 300. Geburtstags für Streichtrio eingerichtet hatte. Bei der Bearbeitung hatte sich Sitkovetsky vom Geiste Mozarts und seinen Bach-Annäherungen leiten lassen. Diese Fassung hat auch das Trio Zimmermann (Geiger Frank Peter Zimmermann, Bratscher Antoine Tamestit und Cellist Christian Poltéra) immer wieder gespielt. Doch wie man jetzt im Booklet verraten hat, wollte man sich mit einer eigenen Version noch enger am Original entlang bewegen. Und das Ergebnis ist mehr als verblüffend ausgefallen. Denn solch einen Reichtum an mehrstimmigen Farben, Linien und Stimmungen hat vielleicht wirklich nur ein Glenn Gould in seiner legendären Klavier-Aufnahme bieten können. Gleich die eröffnende „Aria“ entpuppt sich jetzt als ein wahres Wunderwerk – dank der Sanftheit und Reinheit, mit der Frank Peter Zimmermann den Zuhörer federführend durch diese intime Klangseelenkammer geleitet. Und direkt die 1. Variation zeigt dann die drei Musiker von ihrer mitreißend durchs Leben tollenden und tänzelnden Seite. Aus diesen beiden Anfangssätzen lässt so das Trio Zimmermann einen riesigen Kosmos entstehen, bei dem das kunstvoll Komplexe so luftig leicht daherkommt und das unterhaltsam Verspielte immer auch mit einem gewissen Hintersinn. Wer Bach auf diese Art neu zu entdecken versteht, der ist im Grunde dafür prädestiniert, auch die „Kunst der Fuge“ dereinst von ihrem hartnäckigen Nimbus als reine „Augenmusik“ zu befreien.

Guido Fischer, 22.06.2019



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