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Marco dall‘Aquila

Bella incognita

Lukas Henning

Glossa/Note 1 GCD923518
(53 Min., 7/2018)

Der 1992 geborene, an der Schola in Basel ausgebildete Lautenist Lukas Henning präsentiert mit dem vorliegenden Album ein Paradebeispiel für eine zeitgemäße Präsentation wenig bekannten Repertoires: Die vorbildliche Darbietung der Werke des in Venedig tätigen Lautenisten Marco dall’Aquila (ca. 1480 - nach 1538) geht einher mit der erzählerisch ansprechenden Aufbereitung des Repertoires in einem selbst verfassten Beihefttext. Letzterer bietet eine aspektreiche Einordnung der Musik und der Persönlichkeit Marco dall’Aquilas ins zeitgeschichtliche Umfeld, die zum eigenen Weiter-Recherchieren anregt. Der Text ist durchzogen von Originalzitaten aus zeitgenössischen Quellen und lässt weitere Persönlichkeiten der Epoche (Giorgio Vasari, Giorgione da Castelfranco) auf den Plan treten.
Solchermaßen gerüstet und mit Bildern und Ideen auf das zu Hörende vorbereitet, taucht man gern ein in die faszinierende Welt venezianischer Lautenkunst einer Zeit, in der das Miteinander freierer, aus der Improvisation stammender Elemente und strenger kontrapunktischer Arbeit ein überaus ansprechendes Amalgam bilden, für dessen kompetente Wiedergabe freilich eine mehr als nur solide Lautenspiel-Kunst erforderlich ist. In der Klarheit und Präzision des Klangbildes, in der Leichtigkeit des Spiels und der daraus resultierenden Möglichkeit, mit wünschenswerter agogischer Freiheit vorzugehen, zeigt sich die großartige Qualität des Lautenspiels von Lukas Henning. Wie gründlich er sich die Stilistik von Marco dall’Aquila zu eigen gemacht hat, beweist er übrigens mit einer Handvoll Stilkopien aus eigener Feder, die er augenzwinkernd als sinnvolle Bereicherung in die Programmfolge einflicht. Wer Lautenspiel mag, sollte diese CD hören. Wer Lautenspiel noch nicht kennt, wird es anschließend mögen.

Michael Wersin, 22.06.2019



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