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Josquin Desprez, Nicolas Gombert, Dario Costello, Carlo Gesualdo, Samuel Scheidt u.a.

La morte della ragione

Il Giardino Armonico, Giovanni Antonini

Alpha/Note 1 ALP450
(73 Min., 9/2017) CD + Buch

Der Tod der Vernunft als Sprungbrett für die Freiheit des Geistes und die Geburt der Fantasie und der Improvisation – auf diesen Nenner könnte man das Aufnahme-Projekt bringen, mit dem sich das italienische Alte Musik-Ensemble Il Giardino Armonico unter seinem Leiter Giovanni Antonini einem besonderen Wendepunkt in der Musikgeschichte zuwendet. Denn mit der Renaissance verschwand zwar nicht die streng durchdachte Kontrapunktik. Doch Komponisten und Musiker aller Art und unterschiedlichster Nationalitäten ließen sich nun vom prallen, sinnlichen und nicht selten vergnügungssüchtigen Leben inspirieren. Und genau diesen bunten, musikalisch oftmals auch bizarren Klangseiten widmet sich jetzt diese Musikertruppe. Auslöser für das Programm „La morte della ragione“ war eine gleichnamige Pavane aus dem 16. Jahrhundert, mit der denn auch die reichbestückte Sammlung aus Instrumentalwerken aus dem späten 15. bis 17. Jahrhundert eingeläutet wird. So festlich und feierlich zugleich hier die „Vernunft“ zu Grabe getragen wurde, so lässt danach Giovanni Antonini seine Blockflöte nach allen Regeln der Brillanz dahintänzeln – in einer Gagliarda von Giorgio Mainerio. Später dann gibt es sogar eine energiegeladene Tarantella eines gewissen Cristoforo Caresana. Einen Schwerpunkt der vielen Entdeckungen nehmen aber die improvisatorisch angelegten Instrumentalfassungen von Chansons und Chorstücken ein. Und wie ungemein modern schon die uralten Meister waren, spiegeln nicht zuletzt die verschiedenen Versionen des Chansons „De tous biens plainte“ von Alexander Agricola wider. Da entwickeln die Zinken und Posaunen einen doch erstaunlichen Minimal Music-Groove! Mit großen Ohren lässt man sich auch auf diese musikalische Trouvaille ein, die von Il Giardino Armonico mit Spielfreude und hellwachem Geist angegangen wird. Komplettiert wird dieser kurzweilige „Abgesang“ auf die Vernunft von einem toll aufgemachten Booklet, bei dem einem merkwürdigste Kreaturen nicht nur von Hieronymus Bosch begegnen.

Guido Fischer, 29.06.2019



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