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François-Joseph Gossec

Sechs Sinfonien op. IV

Deutsche Kammerakademie Neuss, Simon Gaudenz

cpo/jpc 5552632
(71 Min., 3/2018)

In seinen immerhin 95 Lebensjahren war François-Joseph Gossec (1734-1829) ein unermüdlich fleißiger Musiker, Komponist und Konzertmanager. Trotzdem ist nicht nur sein Name außerhalb Frankreichs kaum bekannt. In Gossecs beeindruckend umfangreichem wie vielseitigem Schaffen gibt es eigentlich kein Werk, mit dem er sich postum wenigstens den Adelstitel „One-Hit-Wonder“ hätte verdienen können. Nun legt die Deutsche Kammerakademie Neuss unter Leitung des hauptamtlichen Jenaer GMDs Simon Gaudenz vom Franzosen ein halbes Dutzend Sinfonien vor. Es sind die 1758 veröffentlichten sechs Sinfonien op. IV. Dass allesamt viersätzig daherkommen, lässt allein schon Gossecs innovativen Umgang mit der damals noch blutjungen Gattung erkennen. Doch nicht nur formal ging der immerhin vom großen Jean-Philippe Rameau geschätzte Komponist hier neue Wege. Jede der Sinfonien besitzt quasi ihr ganz eigenes Herz-Rhythmus-System fernab musikalischer Kleinmeisterei und schematischer Ausdruckskunst. Natürlich spiegeln gerade die dritten Sätze, die Menuette, den Geist der klassischen Galanterie wider, der in den Pariser Salons des 18. Jahrhunderts en vogue war. Dennoch verblüfft Gossec auch hier – wie etwa in der Sinfonie Nr. 3 F-Dur – dank raffiniert eingesetzter Klangfarben in den Hörnern. Im Grunde kann man aber in jeder Sinfonie so seine Entdeckungen machen – ob volkstümliche Spritzigkeit (2. Sinfonie), höchst empfindsame Tragik (Mozart muss Gossecs Sinfonie Nr. 4 gekannt haben!) oder eine ariose Delikatesse, die die Deutsche Kammerakademie Neuss mit großem Atem ausmusiziert. Überhaupt wissen die Musikerinnen und Musiker derart zu fesseln und mitzureißen, dass man sich von ihnen sofort eine Gossec-Fortsetzung wünscht.

Guido Fischer, 13.07.2019



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