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Heinrich Schütz

Psalmen & Friedensmusiken

Dresdner Kammerchor, Hans-Christoph Rademann

Carus/Note 1 CAR83278
(140 Min., 7/2018) 2 CDs

Mit der vorliegenden Folge 20, einer Doppelbox, endet die 2009 von Hans-Christoph Rademann und seinem Ensemble begonnene Gesamteinspielung der Werke von Heinrich Schütz. Es handelt sich um die allererste Gesamteinspielung der überlieferten Musik des Dresdner Hofkapellmeisters, wissenschaftlich und parallel zu den Tonaufnahmen auch Noten-editorisch begleitet von Schütz-Spezialisten und vom Carus-Verlag. Zumindest einige der vorangegangenen Folgen konnten in diesem Rahmen besprochen werden. Gelobt wurden stets die Sorgfalt und Präzision der interpretatorischen Leistung, vermisst wurden immer wieder einmal eine pure, ungezügelte Lust am Musizieren und eine wirklich packende Umsetzung der in die Musik übertragenen Affekte des Textes. Diesbezüglich gibt es nun am Ende des Projekts einen Aufschwung: Mit seinen handverlesenen vokalen und instrumentalen Spitzenkräften lässt es Rademann hier und da tatsächlich einmal ziemlich krachen, wenigstens für seine Verhältnisse. Schlusspassagen von Psalmvertonungen etwa erstrahlen in der vollen Pracht des historischen Bläser- und Streicherklangs, in den sich die Gesangsstimmen perfekt hineinmischen. Ausgelassene Virtuosität auf vokaler wie instrumentaler Ebene erfreuen in den kleinbesetzten Passagen vieler der Stücke. Die Bassstimme von Felix Schicketanz etwa ist wunderbar schlank geführt, dabei ebenso gut zeichnend wie endlos flexibel; solche Sänger muss man mit der Lupe suchen. Gerlinde Sämann und Isabel Schicketanz liefern sich einige herrliche Sopran-Wettstreitereien, und David Erler erfreut mit seiner weichen, geschmeidigen Altstimme.
Programmatisch ist die letzte Folge alles andere als bloß ein Kehraus: Hinter den „Psalmen & Friedensmusiken“ verbirgt sich eine Reihe von kostbaren Kleinoden – Psalmen, die in keine Sammlung Eingang gefunden haben, eine wundervolle Vertonung des Pfingstsequenz-Textes „Veni Sancte Spiritus“, ein großartiges „Da pacem, Domine“ und manches mehr. Es gibt noch viel zu entdecken bei Schütz, und die Carus-Produktion in ihrer Gesamtheit kann hinsichtlich ihres Wertes für die zeitgenössische Schütz-Rezeption gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Michael Wersin, 20.07.2019



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