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Domenico Gabrielli, Ivan Fedele

Ricercari & Ritrovari

Christophe Desjardins

Winter & Winter/Edel 1002562WIN
(45 Min., 9/2018)

Vor wenigen Jahren sorgte der französische Cellist Jean-Guihen Queyras für einen der ungewöhnlichsten Brückenschläge zwischen Alt und Neu. So lud er renommierte Komponisten ein, eine Art Echo auf eine der sechs Cello-Suiten von Bach zu schreiben. Mit beteiligt an diesen zeitgenössischen Barock-Kommentaren war neben György Kurtág und Misato Mochizuki auch Ivan Fedele. Wie seine Kollegen ist der Italiener nicht nur eine feste Größe in der Neuen Musik-Szene. Fedele lässt sich immer wieder auch offensiv auf musikalische Meilensteine ein, indem er ihre DNA aufgreift und sie in eine oftmals geheimnisvolle, von beklemmender Enge und polychromer Spröde geprägte Klangsprache übersetzt. Vor seinen Bach-Reflektionen hatte er sich auf Einladung des französischen Bratschers Christophe Desjardins bereits 2012 mit einem anderen Cello-Coup auseinandergesetzt. Desjardins hatte einige Ricercari des italienischen Barockkomponisten Domenico Gabrielli für die Viola bearbeitet und lud nun Fedele ein, dazu einige Klang-Doubles zu schreiben. Heraus sind sechs sogenannte „Ritrovari“ gekommen, die nun in Form von Präludium, Intermezzi und Postludium in den Dialog mit den wohl ersten Solo-Cello-Stücken der Musikgeschichte treten. Und die Vorlagen Gabriellis bieten enorm viel Gesprächsstoff. Da lässt Desjardins auf seinem Instrument beeindruckend in Form und Ausdruck ausbalancierte, von erhaben bis tänzerisch reichende Klangwunderwerke entstehen, die allein schon eine Entdeckung sind. Einen ähnlichen Atem besitzen – trotz so mancher wild kreisender Stimmen und zersplitterter Skalen – die Fedeleschen „Ritrovari“. Das 17. und das 21. Jahrhundert, hier sind sie unüberhörbar miteinander verwandt.

Guido Fischer, 27.07.2019



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