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Blume

Nérija

Domino Records/GoodtoGo WIGCD433
(56 Min., 1/2018)

„Tomorrow's Warriors“ nannten die Musikmanagerin Janine Irons und der Bassist Gary Crosby ihr 1991 in England gegründetes Jazzprogramm. Ein in weiser Voraussicht gewählter Name: Denn die engagierte Nachwuchspflege, die einen Förderungsakzent auf Musikerinnen und Mitglieder der afrikanischen Diaspora legt, treibt machtvolle Blüten. Das Septett Nérija und sein Debütalbum „Blume“ ist dafür der beste Beleg.
Die Tenorsaxofonistin Nubya Garcia, die im vergangenen Jahr in der internationalen Festivalszene von New York bis Berlin Ausrufezeichen setzte, mag noch der bekannteste Name des aus sechs Instrumentalistinnen an Gebläse, Gitarre und Schlagzeug sowie einem Quotenmann am Bass bestehenden Formation sein.
Das dürfte sich aber bald ändern, wenn man hört, mit wie viel Autorität und Eigensinn die „Tomorrow's Warriors“-Absolventinnen agieren. Die Altsaxofonistin Cassie Kinoshi etwa durchsetzt ihre strahlenden Soli regelmäßig mit pointierten Outside-Melodiefügungen, während die Trompeterin Sheila Maurice-Grey zeigt, dass man nicht immer zwangsläufig wie Miles Davis klingen muss, wenn man sich in einem jazzrockigen Umfeld bewegt.
Vor allem aber stechen die ungemein quirlige Schlagzeugerin Lizy Exell mit ihren komplexen Rhythmusgeflechten und die Gitarristin Shirley Tetteh, die in Ermangelung eines Klaviers im Alleingang meisterhaft die Akkordverstrebungen bei Nérija schultert, heraus. Letztere ist mit ihren vermeintlich simplen, aber extrem effektiven Improvisationen auf der Halbakustischen so etwas wie der heimliche Star der Gruppe.
Obwohl es genau darum eben nicht geht: Nérija, dessen Tieftonfundament von der Posaunistin Rosie Turton und dem Bassisten Rio Kai gelegt wird, mag zwar aus lauter Bandleaderinnen bestehen. Aber hier drängelt sich niemand vor. Man lässt vielmehr das Kollektiv für sich sprechen. Und das äußert sich vor allem in der Diktion kompakter Bläsersätze, die sich ein Vorbild an Duke Ellington, Donald Byrd, Marvin Gaye oder Fela Kuti nehmen.
Indem es nicht triumphierend-brachial Pauken und Trompeten heraufbeschwört, sondern feinsinnig verwoben die Verhältnisse zum Tanzen bringt, zeigt das Septett seine wahre Kraft. Von wegen: über den Kampf zum Sieg. Diese „Tomorrow's Warriors“ machen klar, dass es auch anders geht – konstruktiv, gemeinsam und lässig.

Josef Engels, 10.08.2019



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