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The Summer I Was Ten

Tomas Sauter, Daniel Schläppi

Catwalk/harmonia mundi CW 190018-2
(46 Min., 10/2017)

Eine Gitarre. Ein Kontrabass. Mehr nicht. Damit treten Tomas Sauter und Daniel Schläppi auf, und mit diesen beiden Instrumenten haben sie seit 2006 bereits drei Platten eingespielt. Auch die Erinnerung an den Sommer, in dem Sauter zehn Jahre alt war, enthält aufmerksame Zwiegespräche zweier Seelenverwandter, die eher die leisen Töne als die lauten bevorzugen und das melodiöse Spiel mögen.
Nehmen wir seine Biografie, muss „When I Was Ten“ 1984 gewesen sein – ein Jahr, in dem unter anderem Depeche Mode, Alphaville, Frankie Goes To Hollywood und Duran Duran die deutschen Single-Charts anführten. Doch damit hat der Song nichts gemein. Wohl aber erinnert er an Countrymusik sowie einige Gitarrenfiguren von Hannes Wader oder – allgemeiner – an die Gitarrenbegleitung für Folksänger und Liedermacher. Die Liedermacherwelle war allerdings damals bereits abgeebbt.
Dieses antizyklische, dieses nicht an Moden gebundene Herangehen zeichnet Tomas Sauter und seinen Duopartner Daniel Schläppi aus. Sie haben ihren Weg zu romantischen, verträumten Stücken gefunden, in denen sie prächtig harmonieren. Meist legt dabei Sauter eine Melodie vor, die Schläppi mit markanten Bassklängen unterstützt. Dabei kokettieren sie mal mit Bebop-Lines, mal wecken sie vage Erinnerungen an bekannte Songs, ohne sich dem Verdacht auszusetzen, sie würden eine Coverversion jener Melodien spielen, deren Kerntöne Sauter andeutet, aber nie in ihrem exakten Verlauf zitiert.
Viele Zehnjährige sehen die Welt sorgenfrei und haben ihren Spaß am forschenden Spiel. Manche verbinden, was auseinander liegt, nehmen vieles in sich auf und begeben sich damit auf vergnügte, fantasievolle, strukturierte Abenteuerreisen. Die elf Titel von „When I Was Ten“ lassen eine solch unbeschwerte Zeit durch das Filter reifer, erwachsener, akademisch ausgebildeter Gitarren- und Kontrabasskunst sowie partnerschaftlicher Kommunikation lebendig werden. Eine angenehme Klangreise in eine elektronikfreie Welt und damit ein Gegenpol zum Elektropop eben jenes Jahres, in dem Schläppi zehn war.

Werner Stiefele, 10.08.2019



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