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György Kurtág

„Scenes“ (Szenen eines Romans op. 19 u.a.)

Viktoriia Vitrenko, David Grimal, Luigi Gaggero, Niek de Groot

Audite/Edel ADT97762
(61 Min., 12/2018)

Im „Epilog“ des Liederreigens „Szenen eines Romans“ op. 19 scheint all das Zweifeln und Sehnen ein Ende zu haben. Die Musik kommt fast zum Stillstand. Die Violine steigt trauertrunken und in Slow-Motion die Notentreppe hinab, gefolgt von der beklemmend sich vorantastenden Stimme Viktoriia Vitrenkos. Mit diesem 15. Gesang, den György Kurtág auf Gedichte der Russin Rimma Dalos für Sopran, Violine, Zymbal und Kontrabass komponiert hat, schließt der erste von fünf (Vokal-)Reigen, mit dem ein international besetztes Quartett um die ukrainische Sopranistin sich in die intimen Klangwelten des großen ungarischen Komponisten vor- und hineingewagt hat. Und bereits diese „Szenen eines Romans“ op. 19, die von einer schicksalhaften Liebe erzählen, fokussieren mit nahezu schonungsloser Klarheit menschliches Seelenleid. Bisweilen nur 18 Sekunden lang dauert eine dieser für den etwas anderen Minimalisten Kurtág so typischen Miniaturen. Zugleich besitzen sie trotz ihrer aufwandarmen Mittel eine „erzählerische“ Wucht, die an die Orchesterstücke von Kurtágs Idol Anton Webern erinnert. Mit ihren schon mal merkwürdig leuchtenden und zitternden Zymbal-Klängen knüpfen hier und da auch die weiteren Zyklen „Sieben Lieder“ op. 22, „In Erinnerung an einen Winterabend“ op. 8 sowie „Einige Sätze aus den Sudelbüchern Georg Friedrich Lichtenbergs“ op. 37a an. Und das Verstörende von Kurtágs verdichteter und entschlackter Klangsprache findet sich gleichermaßen in den „Acht Duos für Violine und Zymbal“ op. 8. Dagegen besitzt das letzte Stück, die für Zymbal geschriebene „Hommage à Berényi Ferenc 70“ in ihrer Zartheit schon etwas Versöhnliches, Seelenumschmeichelndes. Dieses Porträt des Lied- und Kammermusikkomponisten Kurtág bewegt.

Guido Fischer, 17.08.2019



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