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Johannes Brahms, Clara Schumann

Violinsonaten, Andante molto op. 22/I

Alina Ibragimova, Cédric Tiberghien

Hyperion/Note 1 CDA68200
(71 Min., 5/2018)

Dass die Chemie zwischen der russischen Geigerin Alina Ibragimova und ihrem französischen Klavierpartner Cédric Tiberghien stimmt, hat man bereits bei großangelegten Konzert- und Aufnahmeprojekten wie den kompletten Violinsonaten von Beethoven und Mozart bewiesen. Auf ihrem letzten Album mit Werken der französischen Romantik bewegten sich beide traumwandlerisch durch die melossatten Klanglandschaften. Rückblickend kann man nun feststellen, dass diese Einspielung die ideale Vorbereitung für die jüngste Aufnahme der drei Violinsonaten von Brahms gewesen ist. Denn auch hier feiern Ibragimova & Tiberghien das Kantable mit einer Intensität, Klangsinnlichkeit und zugleich mit einer schwerelos anmutenden Tonschönheit, die einem mitten ins Herz fährt. Welcher Zauber ebenfalls in verhalten-nachdenklichen „Gesängen“ stecken kann, zeigt Ibragimova etwa im ersten Satz der 2. Violinsonate mit Nachdruck. Überhaupt bewegen sich Ibragimova & Tiberghien durch diese Kammermusik-Klassiker mit einer Natürlichkeit, bei der etwa das scheinbar Einfache, vom Volkslied Abgelauschte unwiderstehlich aufblühen kann. Zugleich wissen die beiden Musiker nur zu genau, wie man die emotionalen Abgründe und Randbezirke dieser Musik auch ganz ohne übertriebenes Pathos zum „Sprechen“ bringt. Den trauertrunkenen Beginn der sogenannten „Regenlied“-Sonate etwa nehmen Ibragimova & Tiberghien so klar und doch so beseelt tief, wie man es seit dem Duo Henryk Szeryng/Artur Rubinstein nicht mehr gehört hat. Abgerundet wird diese Ausnahme-Brahms-Kammermusikstunde mit einem Andante molto der Freundin Clara Schumann. Das Stück stammt aus den Drei Romanzen op. 22 und darf sich gleichfalls glücklich schätzen, von diesem „Sanges“-Duo gespielt zu werden.

Guido Fischer, 07.09.2019



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