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Believin´ It

Claire Martin

Linn/Note 1 AKD563
(52 Min., 11/2018)

Piano, Kontrabass, Schlagzeug, Stimme. Das reicht für einen unterhaltsamen Abend im Club. Und für nostalgische fünfzig Minuten vor den Lautsprechern. Claire Martin, Jahrgang 1967, hält die große Kunst des swingenden Entertainments aufrecht. Und wie! So, dass die Engländerin im Jahr ihrer Geburt vielleicht zu den gefeierten Stars des Jazzgesangs gezählt hätte, in der Gegenwart aber kaum über den Status eines Geheimtipps hinaus geraten ist – und dies, obwohl sie mit klarer, warmer, in allen Tonlagen gleichermaßen präsenter Stimme und bestens auf sie eingespielten Partnern jeden Song auf eine andere, Text und Melodie entsprechende Art gestaltet. Sie orientieren sich am Text, unterstützen wichtige Gesangspassagen durch Breaks, parallele Bewegungen oder kontrastierende.
Keines der dreizehn Stücke, die Claire Martin an zwei Tagen mit ihrem Trio einspielte, zählen zum Standard-Repertoire, während die Arrangements mit einer Ausnahme von Martin Sjöstedt, dem Pianisten der Band, stammen. Von Michael Franks hat sie „Rainy Nights In Tokyo“ geborgt: eine zarte Erinnerung an die Landung am Flughafen, die Fahrt ins Hotel, Kerzenlicht und Liebe. Zu Pat Methenys „Timeline“ schrieb sie einen Text über eine gescheiterte Beziehung. Vom Vibrafonisten Joe Locke übernahm sie dessen romantische Hommage „A Little More Each Day“ an den Vibrafonisten Bobby Hutcherson, und von Joni Mitchell das pulsierende „You Dream Flat Tires“.
Mit den Singer-Songwritern verbindet die Britin, dass sie einerseits auf Scateinlagen verzichtet und andererseits die Texte ins Zentrum rückt. So wird der „Cherry Tree Song“ aus dem Repertoire von John Surman und Karin Krog zur besinnlichen, zurückhaltend untermalten Natur- und Lebensbetrachtung. In Curtis Lewis´„The Great City“ hingegen spiegeln markante Begleitakkorde unter Claire Martins Stimme das Großstadtleben und die Hoffnung auf Rückzugsmöglichkeiten. Ähnlich sensibel gehen die Sängerin und ihr Trio auch Songs von Ivan Lins, Gordon Jenkins und Johnny Mercer, Duncan Lamont und anderen an – insgesamt dreizehn Pretiosen, deren Atmosphäre, deren Intimität das heimische Wohnzimmer in einen heimeligen Club verwandeln.

Werner Stiefele, 07.09.2019



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